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Erste Summer School an der University of Nursing in Mandalay / Myanmar

Im Rahmen der Hochschulkooperation zwischen der Fakultät für Sozialwissenschaften der htw saar und der University of Nursing in Mandalay / Myanmar fand dort vom 21. März bis zum 2. April die „First Myanmar-German Summer School“ statt. Das Motto: “Creating a new University organization – Processes and Change“. Angemeldet hatten sich 80 Teilnehmerinnen, darunter alle Studiengangsleitungen sowie Master- und PhD-Kandidatinnen, was einiges an organisatorischen Herausforderungen mit sich brachte, aber von uns kreativ gemeistert wurde. In Vorgesprächen mit den Kolleginnen in Mandalay wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Martha Meyer und mit tatkräftiger Unterstützung von Prof. Petra Riemer-Hommel, PhD sowie Prof. Dr. Susan Pulham und Heiko Müller ein 2-wöchiges Programm mit drei großen Modulen erarbeitet: ‚Advanced Statistical Analysis‘, ‚Methods in Nursing Research‘ sowie ‚Change Management at Universities‘. Zwei studentische Stipendiaten des Studienganges Management und Expertise im Pflege- und Gesundheitswesen unterstützten die vorbereitenden Arbeiten und nahmen an der Summer School in Myanmar teil. Beladen mit Bücherspenden, Give-aways der htw saar und Studienunterlagen landete die Gruppe am 18. März im Glutofen Myanmar, wo in den letzten Wochen vor dem Einsetzen der Regenzeit das Thermometer kontinuierlich auf Werte von mehr als 40 Grad anstieg. Die Umstellung auf derart hohe Temperaturen, gepaart mit hoher Feinstaubbelastung, verlangte der Gruppe auch körperlich einiges ab.

Wettgemacht wurden alle Anstrengungen durch die unglaubliche Gastfreundschaft und Warmherzigkeit der Kolleginnen und Studentinnen in Mandalay, die uns den Aufenthalt so angenehm wie nur möglich gestalteten und die Summer School vor Ort perfekt durchorganisiert hatten. Am Wochenende stand ein Exkursionsprogramm zu den kulturellen Highlights von Mandalay und Umgebung auf dem Programm und auch kulinarisch wurde die Gruppe bestens umsorgt. Das Programm der Summer School war mit drei großen Themenblöcken inhaltlich sehr anspruchsvoll und im Anschluss an die Opening Ceremony am 21.März startete Heiko Müller nachmittags direkt mit Advanced Statistical Analysis. Ihn überraschte das durchgängig hohe Niveau der Statistikkenntnisse und die erstellten Arbeitsaufgaben wurden in Kleingruppenarbeit gut bewältigt. Nach drei Tagen setzte Prof. Meyer mit Methods in Nursing Research das Programm fort, wobei u.a. exemplarisch qualitative Methoden behandelt und die bereitgestellte Forschungsliteratur diskutiert wurde. Schwierigkeiten bereiteten sowohl das Verfassen von problem statements, statements of purpose als auch Überlegungen zum Formulieren von Forschungsfragen. Im weiteren Verlauf dieses Moduls konnten zumindest theoretisch die einzelnen Literatursuchschritte und Prozeduren zur Eingrenzung der Treffer in der pflegewissenschaftlichen Fachdatenbank CINAHL veranschaulicht und erläutert werden, da die Universität auf Grund mangelnder Ressourcen keinen eigenen Zugang zu wissenschaftlichen Fachdatenbanken hat. Insgesamt ist die Bibliothek mit Fachliteratur äußerst spartanisch ausgestattet und auf Spenden ausländischer Organisationen angewiesen.

Das Fazit aus beiden Modulen: Die Studierenden beherrschen die statistischen Prozeduren und Kalkulationen sehr gut und das auf hohem Niveau; jedoch bestehen Unsicherheiten in den methodologischen Grundlagen empirischer Forschung und bei Transferleistungen. So gestalteten sich Gruppenarbeiten zur Reflexion über das „erforschbarmachen“ von Forschungsfragen, die Auswahl geeigneter Methoden und möglicher (qualitativer) Alternativen im Sinne von Mixed Methods als schwierig. Hier ergeben sich Ansätze für neue Summer School Themen.

 

Prof. Riemer-Hommel startete mit dem Thema Change Management at Universities zum richtigen Zeitpunkt, denn die Universitäten sollen nun im Zuge des fortschreitenden Demokratisierungsprozesses weitere Autonomie erhalten. Anhand von Fallstudien exemplarisch ausgewählter Universitäten legte sie dar, wie diese Veränderungsprozesse initiiert und nachhaltig implementiert werden können. Hier wird noch viel Aufbauarbeit und interkollegialer Austausch gefordert sein, denn zum einen müssen die kulturellen Besonderheiten eines buddhistisch geprägten Landes in den Kommunikationsprozessen bedacht werden. Zum anderen hat die jahrzehntelange Militärdiktatur verhindert, dass sich in den Institutionen des öffentlichen Lebens demokratische Selbstverwaltungsstrukturen bilden konnten, die für uns zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Dies betrifft neben Veränderungsprozessen in Universitäten auch solche in Kliniken. Die Verknüpfung der Kenntnisse aus allen drei Modulen wird notwendig sein, um Veränderungen in Richtung internationaler Standards initiieren zu können. Myanmar erlebt derzeit Modernisierung im Zeitraffer – die Herausforderung für die Menschen in Kliniken und Universitäten ist nicht zu unterschätzen.

Die Summer School endete am 1. April mit einer Closing Ceremony und entsprechend lang dauernden Fotosession. Die Seminartage begannen immer morgens um 9 Uhr, unterbrochen von einer Mittagspause und setzten sich dann nachmittags ab 13:30 bis 16 Uhr mit lecture und Arbeitsgruppen fort. Die Studierenden arbeiteten sehr diszipliniert und interessiert mit und es war ihnen niemals auch nur das kleinste Anzeichen von Müdigkeit anzumerken. Besondere Hochachtung verdienen dabei ihre Anstrengungen, die Seminarinhalte für sich aus dem „Myanmar“ ins Englische zu übersetzen und auch entsprechende Beiträge zu kommunizieren.

Unser Fazit?

Die Summer School war sowohl organisatorisch als auch inhaltlich für beide Seiten ein voller Erfolg und wir wünschen uns, dass wir eine Tradition begründen können, in der weitere Summer Schools und Austauschaktivitäten von Lehrenden von und nach Myanmar folgen werden. Summer Schools mit 80 Teilnehmerinnen sind, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, erfolgreich durchführbar; allerdings geht das zulasten bestimmter didaktischer Methoden. Mit zwei Wochen war die Summer School eindeutig zu lang und die extremen Umweltbedingungen zu dieser Jahreszeit in Oberburma dürfen nicht unterschätzt werden. Das Wichtigste: Die Gruppe ist gesund und reich beschenkt zurückgekehrt und um viele Eindrücke und Erfahrungen reicher.

 

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