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Umweltpolitik 3.0

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Zahlreiche Verbände präsentierten sich beim Festival der Zukunft in Berlin.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) lud am 10. und 11. September anlässlich seines dreißigjährigen Bestehens zum „Festival der Zukunft“ am EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg ein. Prof. Dr. Uwe Waller und htw saar-Student Frédéric Lapierre trotzten der Versuchung, die spätsommerlichen 32 °C am Tegeler See oder Tempelhofer Feld zu verbringen und nahmen an den zahlreichen Workshops teil.

Einer der Workshops entstand aus einer Kooperation der Bundeszentrale für Politische Bildung mit dem Verein DenkGlobal. Anlässlich des 30. Jahrestages der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl diskutierten Experten und Interessierte das Thema Risikotechnologien. Auf dem Podium auch eingeladen war Frédéric Lapierre, der Erneuerbare Energien/Energiesystemtechnik an der htw saar studiert.

Lapierre war sehr überrascht, wie unterschiedlich der Begriff Risikotechnologie von den Diskussionsteilnehmern wahrgenommen wurde. „Die meisten Leute empfinden eine Technologie nur als riskant, wenn der Risikofall plötzlich und intensiv einsetzt, wie bei einer Nuklearkatastrophe. Umwelt- und gesundheitsschädliche Technologien wie Kohlekraft bezeichnet jedoch kaum jemand als Risikotechnologie, obwohl diese auch ein Risiko bergen.“ Letztendlich stimmten die Teilnehmer jedoch darin überein, dass die Chancen einer Technologie mit all ihren Risiken abgewogen werden müssten. Und es gilt auch bei schleichenden Risiken – Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Auch die Deutsche Meeresstiftung hatte zur Diskussion eingeladen. Im Zentrum stand die Frage, welche Herausforderungen für die Meere aus der Sicht der Wissenschaft besonders relevant sind. Zur Auswahl stehen, bedauerlicherweise, gleich eine Reihe von Bedrohungen – von Überfischung, Verschmutzung und Versauerung bis hin zu invasiven Spezies und mehr.

Dr. Gregory Stone, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Conservation International, erzählte sehr eindringlich von seinen Erlebnissen bei einem Tauchgang im Japanischen Meer, als er selbst in den tiefsten Tiefen noch Plastikabfälle fand. Dagegen vermittelte Waller ein optimistischeres Bild. Er bestritt nicht die zahlreichen Bedrohungen, wollte aber den Zuhörenden vor allem zeigen, dass ein nachhaltiger Umgang mit dem Meer möglich ist.

Die Fischerei wurde mehrfach als ein Belastungsfaktor für die Ozeane herausgestellt. Dabei könne man dieses Problem doch sofort lösen. Waller sagte, dass die wachsende Weltbevölkerung und der damit steigende Bedarf das eigentliche Problem darstelle. Die Forschung und Entwicklung an der htw saar habe in den letzten Jahren sichere Technologien für eine nachhaltige Aquakultur hervorgebracht. Nach dem Vorbild der Natur werden Kreisläufe technisch realisiert, die bereits heute der Überfischung entgegen wirken. Als Biologe wies er zudem darauf hin, dass Meere anpassungsfähig seien, denn die evolutiven Prozesse greifen immer noch. Es wird Veränderungen in der Artenverteilung und der Produktivität geben. Wir, die Menschen sind Teil der Evolution und unser Verhalten wird bestimmen, ob wir unseren Platz behalten. Das Stichwort lautet Bioökonomie. Die Wirtschaft muss sich der Idee öffnen, ihre Produktion auf robuste Kreisläufe, wie sie unsere Biosphäre charakterisieren, umzustellen.

Waller betonte auch, dass wir uns nicht auf die Negativschlagzeilen konzentrieren sollten, sondern vielmehr darauf, was wir tun können, um das Welterbe Meer zu erhalten.

 

 

 

 

 

 

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