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Mikroalgen – das neue alte „Superfood“

Die htw saar ist eine praxis- und forschungsorientrierte Hochschule. Das beweist auch die Idee von den Master-Studenten Frédéric Lapierre und Kevin Becker. Die beiden haben einen Bachelor-Abschluss in Erneuerbare Energien/Energiesystemtechnik und absolvieren nun den Master-Studiengang Engineering und Management an der htw saar. Im Rahmen der Vorlesung „Kaufmännische Unternehmensführung“ bei Prof. Dr. Ralf Oetinger haben sie das Startup und Produkt AddAlgae entwickelt – einen Photobioreaktor für die Nahrungsergänzung zuhause.

Klingt kompliziert? Ist es gar nicht. In der modernen, gläsernen Kanne – dem Photobioreaktor – können Mikroalgen ganz einfach zu Hause kultiviert werden. Die hierfür notwendige, gleichmäßige Lichtverteilung im Bioreaktor übernimmt ein Magnetrührer, der über Photovoltaik-Platten oder einer Grätzelzelle betrieben wird. Dies macht den Photobioreaktor nicht nur energetisch nachhaltig, sondern auch kabellos und praktisch. Und warum  Mikroalgen? Nun, sie sind sehr gesund, enthalten viele Nährstoffe (z.B. Omega-3-Fettsäuren, Vitamine und Proteine) und sind darüber hinaus sehr nachhaltig, da sie extrem schnell wachsen.

 

In einer gläsernen Kanne werden die Mikroalgen kultiviert. Der Magnetrührer wird beim Prototyp über Photovoltaikplatten betrieben.
In einer gläsernen Kanne werden die Mikroalgen kultiviert. Der Magnetrührer wird beim Prototyp über Photovoltaikplatten betrieben.

Die Anwendung ist simpel: Anstatt gewöhnlichem Leitungswasser wird das mit Algen angereicherte Wasser aus dem Bioreaktor zum Kochen oder Backen verwendet. Der Geschmack wird durch die Algen nicht verändert, die gekochte Mahlzeit enthält dank der Mikroalgen jedoch viel mehr Nährstoffe. Von Suppen, Nudeln und Backwaren bis hin zu Fruchtshakes oder Tees ist alles möglich. Nach der „Ernte“ wird der Reaktor einfach wieder mit Frischwasser aufgefüllt.

 

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Mit AddAlgae können leckere Rezepte zubereitet werden, selbst gebackene amerikanische Schokoladenkekse mit Algen sind nur ein Beispiel.

Inspiriert wurden die Jungs von einem Hilfsprojekt, das Ende der 1980er Jahre in Togo gestartet wurde. Da Nährstoffmangel in Entwicklungsländern die Hauptursache für Mangelerscheinungen ist, lernten die Einwohner bei diesem Selbthilfeprojekt, die nährstoffreiche Mikroalge Spirulina zur Nahrungsergänzung zu kultivieren. Diese Idee möchten Becker und Lapierre nun weiterentwickeln und nach Europa bringen. Geeignete Zielgruppen gibt es hier genug: Kinder und Senioren, Veganer und Vegetarier sowie natürlich all diejenigen, die sich gesund und ausgewogen ernähren möchten.

Eine vage Idee für den Bioreaktor für Zuhause hatte Lapierre schon länger: „Als ich Kevin meine Idee vorstellte, war er total begeistert und überzeugt von ihrem Erfolg. Die Vorlesung hat uns schließlich dazu ermutigt, die Idee umzusetzen.“ Lapierre arbeitet während des Studiums bei Prof. Dr. Uwe Waller als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Modellierung des Algenwachstums. „Das hat mir dabei geholfen, die Idee optimal auszulegen“, so der Gründer von AddAlgae.

Lapierre und Becker haben ein vollständiges Konzept für AddAlgae erarbeitet, das über den Bau eines Prototypens weit hinausgeht. Marktanalyse, Vertriebsmöglichkeiten, Marketing… – eben alles, was zu einem Business Plan dazugehört.

Nach dem positiven Feedback von Professor Dr. Oetinger, den Kommilitonen und auch der Saarländischen Investitionsbank (SIKB), möchten die Gründer von AddAlgae unbedingt weitermachen. Mit einem Teil des Gewinns möchten sie das Original-Hilfsprojekt noch einmal antreiben: „Die Inspiration zu AddAlgae beruht auf einem humanitären Projekt, diesen Grundgedanken möchten wir weiterführen.“ Wie genau diese Hilfe aussehen wird, wird derzeit noch erarbeitet. „Im Idealfall: Hilfe zur Selbsthilfe“, so Lapierre.

Dass die Idee Potenzial hat, zeigt auch der Erfinderwettbewerb der KWT (Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer) der Universität des Saarlandes. Lapierre und Becker folgten dem Aufruf, der unter dem Motto „Erfindergeist gesucht“ stand,  und wurden mit dem 3. Platz  und einem Preisgeld von 500 Euro für ihren Photobioreaktor für Zuhause belohnt.

Der nächste Schritt für AddAlgae ist ein Treffen mit Anna Köth vom FITT – dem Institut für Technologietransfer an der htw saar. Sie steht Studierenden, Wissenschaftlern und Professoren der Hochschule als Gründungsberaterin zur Seite.

 

Wer mehr über den Photobioreaktor erfahren möchte und Unterstützungsvorschläge für die Erfinder hat, kann gerne Kontakt zu AddAlgae aufnehmen: www.facebook.com/addalgae

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