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Inspiriert von der Natur: htw saar-Studierende entwerfen Gebäude für das Waldinformationszentrum des NABU

Das neue Waldinformationszentrum des NABU Saar ist in einer Entwicklungskooperation zwischen dem NABU Saar, dem B2E3-Institut der htw saar, unter Leitung von Prof. Göran Pohl, und der Hochschule für Bildende Künste entstanden. Die Abwicklung erfolgte mit Hilfe des FITT-Institut für Technologietransfer der htw saar. Das Projekt konnte mit Genehmigung des Landesdenkmalamtes und der Unteren Bauaufsicht realisiert werden.

Das Informationszentrum besticht durch eine minimalistische Holzkonstruktion. Diese wurde von Forschungsmitarbeitern und Studierenden der Schule für Architektur Saar entwickelt. Sie ist sowohl von außen, als auch besonders von innen ein eindrucksvolles Holz-Faltwerk.

2013 suchte Helmut Harth, Projektleiter „Wertvoller Wald“ und Waldreferent, einen Architekten, der das geplante Waldinformationszentrum mit bionischen Konzepten entwickelt. Er kontaktierte Prof. Göran Pohl, der vom Städtebau kommend im Bereich Bionik forscht und fand seinen Architekten. Dieser band Architektur-Studierende und Mitarbeiter seines Forschungsinstitutes B2E3 in das Projekt ein.

„Wie soll ein Gebäude aussehen, das den Urwald symbolisiert? Es gehört Leben, Wärme und auch Schönheit dazu. Menschen, die herkommen, sollen inspiriert werden, über Natur und ihre Wichtigkeit nachzudenken,“ beschreibt Göran Pohl seinen Zugang zum Projekt.

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Pohl: „Was wir entwickelt haben ist ein Gebäude, mit einem grünen Klassenzimmer. Wenn Sie in das Gebäude gehen, haben Sie das Gefühl, eine Kathedrale für die Natur zu betreten.“ Das Bild zeigt das Innenleben des Waldinformationszentrums während der Bauphase.

Das Gebäude ist ein sogenanntes Faltwerk. Es greift den Buchenwald, in dem es steht, auf; die Konstruktion erinnert an ein Buchenblatt. Faltwerke sind Minimalkonstruktionen der Natur und dort ein weit verbreitetes Prinzip zur Erhöhung der Steifigkeit von Flächen. Faltungen kommen beispielsweise bei Insektenflügeln, Muschelschalen und Blättern vor, so auch beim Buchenblatt. „Wir haben sehr stabile Flächen entwickelt, indem wir lediglich Holztafeln in einer gefalteten Form zusammen gefügt haben. Diese Tafeln sind nur 6 Zentimeter stark. Es liegt keine große Balken- oder Stützkonstruktion im Hintergrund. Was Sie von unten sehen, ist die tragende Konstruktion. Eine minimale Konstruktion als Faltwerk, die mit einer Gewebeschutzschicht als Witterungsschutz von außen eingedeckt ist,“ erklärt Pohl die minimalistische, der Natur angelehnte, d.h. bionische Bauweise.

 

Dabei tat sich Pohl zu Beginn sehr schwer mit seiner Aufgabe. Kurzerhand lud er Axel Böcker vom Landesdenkmalamt zu sich ins Büro ein und zeigte seine ersten Entwürfe, darunter auch „konservative“ Entwürfe mit einer Architektur, die die umliegenden Gebäude aufgreift. „Baut nicht die Scheune nach, realisiert euren mutigen Entwurf des Faltwerkes. Die Leute sollen inspiriert werden. Auch mal so, dass man darüber nachdenkt und in Diskussion kommt. Wenn man nicht in Diskussion kommt, dann bleibt auch nichts haften,“ ermutigte ihn Böcker.

„Wir haben uns getraut. Neben dem Informationszentrum haben wir noch drei kleine Pavillions entwickelt. Zwei stehen bereits, ein weiterer wird noch zusammen gebaut. Wir haben uns bei den Pavillions von der Zellstruktur toter Hölzer inspirieren lassen. Sie sind in sich durch die zellulären Ausprägungen sehr stabilisiert. In ihrem Inneren finden multimediale Präsentationen statt, für die sich Prof. Burkhard Detzler von der Hochschule für Bildende Künste Saar verantwortlich zeichnet,“ erklärt Pohl.

Die Tragkonstruktionen wurden durch Prof. Dr. Günter Schmidt-Gönner von der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen nachgewiesen und als Studienarbeiten durch Bauingenieur-Studierende untersucht.. „Ein großer Vorteil der Fachhochschulen ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit ihrer Mitglieder in Forschung und Entwicklung. Manchmal funktioniert sie sogar zwischen Architekten und Bauingenieuren“, flachst Schmidt-Gönner.

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Schmidt-Gönner:„Auch das Informationszentrum mit seiner eigenwilligen Faltkonstruktion und dem im Ingenieurbereich noch nicht sehr verbreiteten Mehrschichtholzplatten stellte für die Berechnung hohe Anforderungen. Für die Analyse wurde ein 3-D FEM Model genutzt. Besonders zu erwähnen ist die starke Anisotropie der Schichtholzplatten, die durch die 3-Bretter-Schichten entsteht, da Holz in Faserrichtung eine sehr viel höhere Festigkeit besitze als senkrecht zu den Holzfasern.“

 

Schmidt-Gönner: „Die Tragfähigkeit des Leichtbau-Pavillons wurde z.B. durch eine Masterthesis bei den Bauingenieuren unter meiner Leitung untersucht und optimiert.“
Schmidt-Gönner: „Die Tragfähigkeit des Leichtbau-Pavillons wurde z.B. durch eine Masterthesis bei den Bauingenieuren unter meiner Leitung untersucht und optimiert.“

 

Genutzt werden naturnahen Materialien. Der erste Pavillion wurde, um auf Nummer Sicher zu gehen, mit einem vertrauten Material gebaut, Silicatkomposit. Beim zweiten Pavillion betrat das Team komplettes Neuland. Flachsgewebe als Material selber ist nicht unbekannt, es wurde bisher noch nicht auf in so einem Gebäude eingesetzt. Der dritte Pavillion besteht aus gezogenem Stein, einem Basaltgewebe. Das gibt es weltweit noch nicht. Die Technologie wurde am B2E3 entwickelt.

 

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