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Jeder kann Zeuge werden – nicht wegsehen!

Tourismus hat auch Schattenseiten – zum Beispiel wenn Täter weltweit die Anonymität des Reisens ausnutzen, um Kinder sexuell auszubeuten und unerkannt in Netzwerken zu agieren. Bereits seit mehreren Jahren organisiert ECPAT Deutschland e.V. (Ending the Sexual Exploitation of Children) im Auftrag der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften einen Workshop zum Thema „Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung im Tourismus“, um auf diese Schattenseiten hinzuweisen und die angehenden Touristiker frühzeitig zu informieren und zu sensibilisieren.

„Es war sehr interessant, einen so praxisnahen Einblick in die Arbeit einer Nichtregierungsorganisation zu bekommen. Und wir haben gesehen, wie wichtig dieses Thema ist“, sagt Joey Lühmann, einer der Teilnehmer aus dem Master-Studiengang Freizeit-, Sport-, Tourismus-Management. Celina Herges, Studentin im vierten Semester des Bachelor-Studiengangs Internationales Tourismus-Management ergänzt: „Ich fand die Zusammensetzung des Trainerteams sehr gut. Frau Espinoza berichtete von verschiedenen Tourismusformen, bei denen besonders die Gefahr der sexuellen Ausbeutung besteht und erklärte uns, an wen man sich wenden kann, wenn man die sexuelle Ausbeutung von Kindern vermutet. Herr Pimpl aus dem Referat Prävention beim Polizeipräsidium Heilbronn erläuterte uns verständlich die relevanten strafrechtlichen Grundlagen im internationalen Raum.“

Eine Sensibilisierung zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung ist nicht nur eine wichtige Fortbildung im Rahmen eines Studiums im Bereich Tourismus, sondern bietet sich für jedes touristisches Unternehmen und jeden Touristen an. Denn jeder kann Zeuge werden. Um die Anzeichen rechtzeitig zu erkennen und sich anschließend richtig zu verhalten, ist eine frühzeitige Sensibilisierung wichtig. Während der sechsstündigen Schulung gingen die Workshop-Leiter vor allem auf globale Studien und die rechtliche Lage ein, zeigten aber auch Täterprofile und die Folgen der Ausbeutung auf. „Besonders erschreckend war für mich, dass die meisten Opfer im Fall von sexuellem Missbrauch bereits vorher mit dem Täter Kontakt hatten und der Missbrauch häufig sogar in der eigenen Familie stattfindet, während im Zusammenhang mit Reisen und Tourismus Gelegenheitstäter für die Mehrheit der Fälle von sexueller Ausbeutung verantwortlich sind“, merkt Lisa Gabriel, Tourismus-Studentin aus dem 4. Semester, an.

Anhand verschiedener Case Studies entwickelten die Studierenden gemeinsam Konzepte für die Umsetzung in der Praxis. Als Beispiel dienten touristische Unternehmen, die sich aktiv gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern engagieren möchten und die hierzu das ECPAT-Netzwerk unterstützen. Vorgestellt wurden Best Practices aus der Wirtschaft sowie verschiedene Leitprinzipien und Kodizes. Die Studierenden sollten insbesondere den Kinderschutzkodex beachten, bei dem die Unternehmen nachhaltig und sozial handeln wollen. Trainerin Jessica Espinoza zeigte sich von den Ergebnissen beeindruckt: „Es war toll zu sehen, mit welcher Kreativität und Zielstrebigkeit die Studierenden die für sie neuen Aufgaben angingen.“

ECPAT Deutschland e.V. ist Teil eines internationalen Netzwerks in 82 Ländern. Die Fakultät der Wirtschaftswissenschaften der htw saar bietet den Studierenden seit mehreren Jahren die Möglichkeit an, an einer ECPAT Schulung teilzunehmen und dabei ein Zertifikat zu erwerben. Wie schon 2016 stieß der freiwillige Workshop mit 24 Teilnehmern aus den Bachelor-Studiengängen Internationales Tourismus-Management (htw saar und DFHI) sowie dem Master-Studiengang Freizeit-, Sport- und Tourismus-Management auf großes Interesse.

„Das Thema geht uns alle an. Ich halte es für gut denkbar und wünschenswert, dass in den kommenden Semestern auch Studierende aus anderen Studiengängen am Workshop teilnehmen. Ganz nach dem Motto unserer Fakultät „Wir vermitteln mehr als Wissen“, sagt Prof. Dr. Achim Schröder, der die Organisation des Workshops an der htw saar koordiniert. Wer sich vorab selbst weiterbilden möchte, kann sich durch die 5-minütigen eLearning Simulationen klicken. Hier wird beispielsweise gezeigt, dass jeder, der in seinem Urlaub (oder anderswo) Auffälligkeiten zum Thema sexueller Ausbeutung von Kindern bemerkt, sich an die Meldeseite www.nicht-wegsehen.net wenden kann.

„Jeder kann Zeuge werden! Nicht wegsehen!“

 

Am Beispiel verschiedener Case Studies entwickelten die Studierenden Konzepte zum Schutz von Kindern gegen sexuelle Ausbeutung im Tourismus. Foto: Jessica Espinoza
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