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An der Schnittstelle von Wissenschaft und Verwaltung

Am 18. September 2017 sind an der htw saar zum dritten Mal die Vorbereitungskurse für Flüchtlinge gestartet. 171 studieninteressierte Flüchtlinge haben sich um einen der 20 Plätze beworben – dies sind über doppelt so viele Bewerber wie im Jahr zuvor. Im Wintersemester 2017/18 sind somit insgesamt 50 Flüchtlinge in den Vorbereitungskursen der htw saar eingeschrieben.

Im Interview erzählt Dr. Markus Ehses von seiner Arbeit als Koordinator des Vorbereitungsstudiums und seinen Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit.

 

Kurzvorstellung

Was machen Sie an der htw saar?
Ich habe zwei Hauptaufgaben an der htw saar. Zum einen koordiniere ich das Qualitätspakt Lehre-Projekt „Optimierung des Studienerfolgs“ mit derzeit 28 Projektmitarbeiterstellen. Das zweite große Arbeitsgebiet ist die Konzeption einer reformierten Studieneingangsphase und konkret derzeit die Koordination des Vorbereitungskurses für Flüchtlinge. Darüber hinaus bin ich aktuell Sprecher der FairTrade-Initiative.

Seit wann sind Sie an der htw saar?
Im Juni 2012 habe ich als Koordinator des Qualitätspakt Lehre-Projekts angefangen.

Was ist Ihr „Background“?
Ich bin Chemiker. Nach meiner Promotion war ich ein Jahr als Postdoc im Ausland. Zurück in Deutschland habe ich am Leibniz-Institut für Neue Materialien (INM) in Saarbrücken als Projektmitarbeiter, später als Gruppenleiter gearbeitet. Anschließend war ich als Postdoc im Fachbereich Chemie der Universität des Saarlandes und habe knapp zehn Jahre ein internationales Graduiertenkolleg mit Partnern in der Großregion koordiniert. 2010 nahm ich die Stelle als wissenschaftlicher Referent des Direktors des damals neugegründeten Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung (HIPS) an. Der Weg ging also von der klassischen Wissenschaftlerlaufbahn zur Laufbahn im sogenannten „Third Space“ – weg von der reinen Wissenschaft hin zur wissenschaftsunterstützenden Tätigkeit.

Welche Auslandserfahrungen haben Sie gemacht?
Während des Studiums habe ich über das Erasmus-Austauschprogramm ein Semester in Schottland studiert. Nach der Promotion war ich ein Jahr als Postdoc an der Universität in Florenz. Das waren spannende Zeiten, von denen ich viel mitgenommen habe.

Welche Fremdsprachen sprechen Sie?
Englisch, Französisch und Italienisch

 

Dr. Markus Ehses ist an der htw saar Koordinator des Projekts „Optimierung des Studienerfolgs“ sowie des Vorbereitungsstudiums.

 

Was sind Ihre Aufgaben an der htw saar?
Als Koordinator des Qualitätspakt Lehre-Projekts „Optimierung des Studienerfolgs“ stehe ich an der Schnittstelle zwischen Administration und der inhaltlichen Weiterentwicklung von Maßnahmen. Im Bereich Studieneingangsphase und Studienvorbereitung beschäftige ich mich seit Anfang 2016 intensiv mit dem Thema Studienvorbereitung von Flüchtlingen. Gemeinsam mit dem Studienkolleg der Universität des Saarlandes bieten wir Vorbereitungskurse an. Hier bin ich unter anderem verantwortlich für die Einwerbung und Administration der Mittel sowie für die Organisation der Kurse und der Zusatzangebote. In der FairTrade-Initiative koordiniere ich mit einem Steuerungskreis die Aktivitäten, bei denen wir jedes Semester einen thematischen Schwerpunkt legen. Gerade erst haben wir die Zertifizierung als FairTrade University erreicht. In der Initiative engagieren sich übrigens auch überwiegend Studierende aus Ländern des globalen Südens.

Welche Unterstützungsangebote bietet die htw saar studieninteressierten Flüchtlingen?
Entlang des Student Life Cycle bietet die htw saar verschiedene Integrations- und Unterstützungsmaßnahmen für studieninteressierte Flüchtlinge an. Mit DaFür hat die htw saar zusammen mit der Eurokey Software AG und dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien eine mehrfach ausgezeichnete Online-Schulungsplattform für Alltagssituationen entwickelt. Studieninteressierte Flüchtlinge werden durch die studentische Initiative „Refugees Welcome htw saar“ an das Studieren in Deutschland herangeführt. Darauf aufbauend haben wir die Vorkurse für Flüchtlinge entwickelt, um Flüchtlinge aufs Studium an der htw saar vorzubereiten. Für Ingenieure, die schon einen anerkannten Bachelor-Abschluss haben, gibt es eine Nachqualifizierungsmaßnahme – das Projekt SaarIng. Während des Studiums können die geflüchteten Studierenden auch am Programm Deutsch als Fremdsprache teilnehmen, das sich an alle ausländischen Studierenden richtet. Daneben gibt es noch weitere Maßnahmen, wie z.B. die Angebote der Forschungs- und Transferstelle Gesellschaftliche Integration und Migration (GIM) und weitere Initiativen von Hochschulmitgliedern.

Wie läuft der Vorbereitungskurs für Flüchtlinge ab?
Zunächst müssen sich Interessierte über das Portal uni-assist für den Vorbereitungskurs bewerben. Nach Prüfung der Unterlagen wählen wir die Teilnehmer nach Noten aus. Mit der Immatrikulation in den Vorbereitungskurs, startet der Sprachkurs, der zum Sprachniveau C1 führt. Neben den Sprachkursen stellen wir das propädeutische Modul mit mehreren Angeboten, um die Kursteilnehmender auf das Studium im Wunschstudiengang an der htw saar bestmöglich vorzubereiten. Dazu zählen: Fachvorbereitung unter Anderem in Form von Mathekursen, Fachintegration mit einem Besuch einer Lehrveranstaltung, allgemeine Studienvorbereitung zur Stärkung von interkulturellen Kompetenzen und Computer-Fertigkeiten sowie das sozial integrierende Angebot unter Anderem durch die studentische Initiative „Refugees Welcome htw saar“. Teilnehmende, die nur eine indirekte Hochschulzugangsberechtigung haben – deren Schulabschluss also nicht vollständig anerkannt wird – müssen neben dem Deutschkurs Fachkurse belegen. Je nach Sprachniveau und Lernfortschritt dauert der Vorbereitungskurs in der Regel ein bis drei Semester. Nach erfolgreichem Abschluss können sich die Teilnehmer für ein Studium an der htw saar bewerben. Die Aussichten, einen Platz zu bekommen sind aufgrund der Vorauswahl in der Regel sehr gut.

Aus welchen Ländern stammen die Flüchtlinge, die an den Vorbereitungskursen teilnehmen?
Die Teilnehmenden kommen im Moment alle aus Syrien – das ist aber ein bisschen Saarland-spezifisch. Hier sind nämlich ca. 80 Prozent der registrierten Flüchtlinge Syrer.

Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für studieninteressierte Flüchtlinge?
Generell das erforderte Sprachniveau zu erreichen. Dabei geht es erst einmal gar nicht ums Inhaltliche, sondern um die formale Erlangung des Niveaus. Außerhalb unseres Angebots gibt es sehr wenige Kurse im Saarland, die auf das Niveau C1 hinführen, das Zulassungsvoraussetzung ist. Hinzu kommen die ganzen Behördengänge – da erhalten die Flüchtlinge aber viel Unterstützung durch freiwillige Engagierte und professionelle Organisationen. Auch die kulturellen Unterschiede und die akademische Sprache in den Lehrveranstaltungen sind eine weitere enorme Herausforderung, die von vielen zunächst unterschätzt wird.

Haben Sie Tipps für studieninteressierte Flüchtlinge?
Wir haben eine hohe Nachfrage, aber nur wenige Plätze – d.h. wir müssen leider sehr viele Bewerber ablehnen. Studieninteressierte Flüchtlinge sollten sich also parallel nach Alternativen umschauen, um im Beruf Fuß fassen zu können. Die Jobcenter, die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer haben zum Beispiel auch spezielle Programme für Flüchtlinge aufgelegt. Es gibt auch neben dem Studium zukunftsträchtige Tätigkeitsfelder, das ist vielen Flüchtlingen nicht bewusst. Haben Flüchtlinge bereits eine Hochschulzugangsberechtigung, können sie versuchen, einen entsprechenden Sprachkurs außerhalb der Hochschule zu absolvieren.

Gibt es Situationen, an die Sie gerne zurückdenken?
Es gibt einige Situationen, in denen ich echt beeindruckt bin von der Persönlichkeit der Leute. Ein besonderes Erlebnis war, als ein Teilnehmer bei der Einführungsveranstaltung sagte „Heute ist mein erster Geburtstag – ich bin angekommen.“ Wenn man so etwas hört, geht einem das Herz auf.

Was mögen Sie an Ihrem Job?
Da ich in sehr unterschiedlichen Bereichen tätig bin, ist meine Arbeit sehr abwechslungsreich. Ich mag, dass ich mit verschiedenen Menschen auf verschiedenen Ebenen zu tun habe. Mir gefällt generell die Gestaltungsmöglichkeit an der Schnittstelle von Verwaltung und Wissenschaft. Es gibt so viel Wissen, Kompetenzen und Engagement an der Hochschule. Diese zusammenzuführen, und in meinen Tätigkeitsfeldern zur Verbesserung beizutragen, das finde ich in dem Job wahnsinnig inspirierend und spannend.

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