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Was passiert im Gehirn, wenn wir Geräusche hören?

Woher wissen wir, aus welcher Richtung Geräusche kommen? Nicht ohne Grund sind Menschen mit zwei Ohren ausgestattet. Denn binaurales Hören kann die Richtung von Schallwellen lokalisieren. Einen noch besseren Höreindruck hat man allerdings, wenn man in einem Ohr die Wellen des Signals und Störgeräuschs gegeneinander verschiebt, z.B. um 180 Grad, und im anderen Ohr beide Wellen in Phase sind.  Der so gewonnene bessere Höreindruck wird im englischen als „Binaural Release from Masking“ bezeichnet. Wie das Gehirn Töne verarbeitet, wenn wir Hintergrundgeräusche hören, und wie das einohrige Hören zum binauralen Phänomen beiträgt, hat htw saar-Studentin Lisa Jessen mit Prof. Chris G. Clinard im Rahmen ihrer Bachelor-Thesis an der amerikanischen James Madison University (JMU) in Harrisonburg, Virginia, untersucht.

 

Lisa Jessen war für ihre Praxisphase und ihre Bachelor-Thesis an der amerikanische James Madison University in Harrisonburg, Virginia. (Foto: Creative Services JMU)

Seit 2003 besteht zwischen der htw saar und der JMU eine Hochschulkooperation, die es Studierenden der htw saar ermöglicht, ein drei- bis sechsmonatiges Praktikum in den USA zu absolvieren und gleichzeitig die Abschlussarbeit anzufertigen.

Lisa Jessen ist inzwischen Master-Studentin im Studiengang Biomedizinische Technik (mit Vertiefungsrichtung Neural Engineering). Von September 2017 bis April 2018 war sie zu Gast an der JMU und hat dort ihre Bachelor-Thesis sehr erfolgreich abgeschlossen.

„Eigentlich wollte ich schon seit der zehnten Klasse ins Ausland gehen, aus finanziellen Gründen hatte dies aber bislang nicht funktioniert. Dann habe ich in der htw saar einen Aushang gesehen, dass man an der James Madison University eine Abschlussarbeit schreiben kann – das war ein paar Monate, bevor die Thesis und die Praxisphase anstanden.“

Das war die Gelegenheit für die 22-Jährige aus Köllerbach. Dank der Vermittlung durch Prof. Steven Frysinger, der die Kooperation seitens der JMU steuert, fand die Studentin schnell ein Thema und einen Betreuer an der amerikanischen Universität. Vera Müller vom Praxisreferat an der htw saar informierte die Studentin zudem über Fördermöglichkeiten. So erhielt Jessen ein PROMOS-Stipendium vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst. Danach hieß es die Reise zu organisieren – Visum beantragen, eine Unterkunft suchen, Flüge buchen…

Vor Ort angekommen musste sich Jessen, die seit Beginn des Studiums Deutschlandstipendiatin ist, zunächst in das Thema Audiologie einarbeiten. Anschließend entwarf sie die Studie, suchte Probanden und führte Messungen durch – zu Beginn noch mit ihren betreuenden Professor, kurz darauf selbständig.

„In den knapp vierstündigen Sitzungen haben wir das Verhalten der Probanden getestet – also wie sie die Hörbeispiele (ein Störgeräusch bzw. ein Signal und ein Störgeräusch) wahrnehmen. Anhand ihrer Auswahl konnten wir zwei Hörschwellen definieren, die aussagen, wie leise Töne der Proband in der jeweiligen Messung (mit Phasenverschiebung und ohne) wahrnehmen konnte, und anschließend den binauralen Verständlichkeitsgewinn in Dezibel ausdrücken. Außerdem wurde in einem zweiten Test ein EEG an den Teilnehmenden durchgeführt, während sie die Hörbeispiele hörten“, so die Studentin.

Jessen war von Beginn an von dem Thema ihrer Abschlussarbeit begeistert: „Ich finde es besonders spannend, etwas am Menschen zu erforschen. Gerade das Hören ist so komplex, dass wir in unserer Studie gar nicht alles erfassen konnten, was es zu erfassen gibt. Und obwohl dieses Phänomen seit etwa siebzig Jahren erforscht wird, ist es trotzdem immer noch unklar, was eigentlich im Gehirn passiert. Das finde ich hochinteressant.“

Für die BMT-Studentin war der Aufenthalt in Harrisonburg sowohl fachlich als auch persönlich eine unvergessliche Erfahrung. „Das Master-Programm in Audiology war richtig super. Das fachliche Wissen kann ich sehr gut in den Master integrieren. Und die JMU war einfach beeindruckend. Dort herrscht eine ganz andere Hochschulkultur als in Deutschland. Die Menschen identifizieren sich viel mehr mit ihrer Hochschule“, erzählt Jessen. Ich habe an der JMU viele Freundschaften knüpfen können und freue mich schon auf die ersten Besuche hier im Saarland. Ich habe aber auch sehr viel über mich selbst gelernt – z.B. dass ich viel familienbezogener bin, als ich bisher dachte.“

Einen Auslandsaufenthalt kann die Bachelor-Absolventin jedem nur empfehlen: „Es gibt über das International Office der htw saar so viele Möglichkeiten, ins Ausland zu gehen, und auch viele Förderprogramme. Traut euch einfach! Ich bin sehr froh, diese Erfahrung gemacht, all die Menschen kennengelernt zu haben und ein Teil der JMU gewesen zu sein. Es war eine lohnende Investition in die Zukunft!“

Die Ergebnisse ihrer Bachelor-Arbeit wird  Lisa Jessen im Mai 2018 auf der Auditory EEG Signal Processing (AESoP)-Konferenz an der KU Leuven (Belgien) vorstellen. Auch hierfür erhält sie eine Förderung von DAAD-PROMOS-Programm.

Mit ihrem Projekt hat Lisa Jessen es außerdem auf die Website der JMU geschafft:
http://www.jmu.edu/news/chbs/2018/03-29-german-exchange-student-csd.shtml

 

Lisa Jessen ist wieder zurück an der htw saar und ist inzwischen Master-Studentin im Studiengang Biomedizinische Technik (Vertiefungsrichtung Neural Engineering).
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