Vom Neustart zum DAAD-Preis: Claudia Nossardis Weg an die htw saar
Als Claudia Armida Nossardi aus Sardinien nach Deutschland kam, war ihr Plan zunächst ein anderer: Sie wollte in der Gastronomie arbeiten. Ein Studium? Daran dachte sie damals nicht. Noch niemand in ihrer Familie hatte eine Hochschule besucht.
Dann kam die Corona-Pandemie und vieles änderte sich. Nossardi besuchte ihren ersten Deutschkurs, lernte die Sprache weiter und begann, über neue berufliche Möglichkeiten nachzudenken. Menschen, denen sie in dieser Zeit begegnete, ermutigten sie, eine Ausbildung oder sogar ein Studium in Betracht zu ziehen.
„Ich habe Menschen kennengelernt, Lehrer, Sozialarbeiter und andere Menschen, die an mich geglaubt haben. Manchmal sogar mehr, als ich selbst an mich geglaubt habe“, erinnerte sie sich bei der Verleihung des DAAD-Preises.
Der „große Sprung“ ins Studium
Mit 25 Jahren stand schließlich die Entscheidung an: Ausbildung oder Studium? Eine wichtige Rolle spielte dabei auch ihre beste Freundin Özge, die sie dazu ermutigte, sich einzuschreiben. Bei ihrer Suche nach Informationen führte Nossardis Weg schließlich zum International Office der htw saar. Dort lernte sie Norma Dettloff kennen.
An diese Begegnung erinnert sie sich bis heute: „Es gibt Begegnungen, die man nicht vergisst. Manchmal reicht ein Gespräch, um einem eine neue Richtung zu geben.“ Für Nossardi war es ein solcher Moment und sie entschied sich für ein Studium.
Dass damit nicht plötzlich alles einfach wurde, verschweigt sie nicht. Im Gegenteil: Im ersten Semester habe sie „gefühlt jede Woche“ darüber nachgedacht, ihr Studium abzubrechen. Die Fachsprache war schwierig, viele Konzepte waren neu und als Erste in ihrer Familie, die studierte, musste sie sich auch mit dem Hochschulalltag erst vertraut machen. Hinzu kam die Herausforderung, in einem überwiegend deutschsprachigen Studiengang Anschluss zu finden.
Entscheidend waren auch hier die Menschen um sie herum: Kommiliton*innen, Mitarbeitende der Hochschule und ihre Lehrenden. „Meine Dozenten haben mir, gerade in schwierigen Momenten, immer wieder das Gefühl gegeben: Du kannst das schaffen“, erzählt Nossardi.

Sehr gute Leistungen und soziales Engagement
Heute studiert Claudia Armida Nossardi Soziale Arbeit und Pädagogik der Kindheit an der Fakultät für Sozialwissenschaften der htw saar. Mit einem Notendurchschnitt von 1,5 überzeugt sie durch sehr gute akademische Leistungen.
Doch der DAAD-Preis würdigt mehr als gute Noten. Nossardi engagiert sich auch über ihr Studium hinaus. Sie war unter anderem im Mentoringprogramm „Balu und Du“ aktiv, wirkte regelmäßig an den Studientagen der Fakultät für Sozialwissenschaften mit und nahm an der Internationalen Migrationskonferenz der htw saar teil. Parallel zu ihrem Studium ist sie zudem in einer Wohngruppe der Kinder- und Jugendhilfe tätig.
Auch inhaltlich beschäftigt sie sich mit Themen, die eng mit gesellschaftlicher Teilhabe verbunden sind. In einem Studienprojekt untersucht sie gemeinsam mit einer Kommilitonin, wie Menschen nach einem positiv abgeschlossenen Asylverfahren in Saarbrücken ankommen und welche Wirkung kommunale Unterstützungsangebote haben.
Für ihre sehr guten Studienleistungen und ihr außergewöhnliches soziales Engagement wurde Nossardi nun mit dem DAAD-Preis 2026 ausgezeichnet. Die Verleihung fand im Rahmen der Willkommensveranstaltung für internationale Studierende der htw saar statt.

„Den Mut haben, weiterzugehen“
Dass sie einmal selbst bei einer solchen Veranstaltung stehen und einen Preis entgegennehmen würde, hätte Nossardi sich zu Beginn ihres Weges nicht vorstellen können. Umso mehr nutzte sie den Moment, um den neu angekommenen internationalen Studierenden etwas aus ihren eigenen Erfahrungen mitzugeben.
Ihre vielleicht wichtigste Erkenntnis: Auch wenn etwas zunächst schwer oder sogar unmöglich erscheint, lohnt es sich, offen für neue Wege und für andere Menschen zu bleiben. Am Ende ihrer Rede formulierte sie einen Wunsch, der ihren eigenen Weg zugleich treffend zusammenfasst: „Ich wünsche euch allen, dass ihr Menschen um euch habt, die an euch glauben. Aber vor allem wünsche ich euch, dass ihr auch selbst weiter an euch glaubt, gerade dann, wenn es schwierig wird. Denn manchmal weiß man noch nicht, wohin der eigene Weg führt. Man muss einfach den Mut haben, weiterzugehen.“
Mit dem DAAD-Preis zeichnet die htw saar seit 2006 internationale Studierende aus, die hervorragende akademische Leistungen mit besonderem gesellschaftlichem oder interkulturellem Engagement verbinden. 2026 wurde der Preis zum 20. Mal in Folge an der htw saar vergeben.
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