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Massentourismus und seine Folgen

„Für mich ist Tourismus die kleine Schwester der Gesellschaft. Letztere wird schneller, mobiler oder – wie Zygmunt Bauman es sagt – fluider. Wir wissen nicht mehr, wohin mit uns und suchen in der Ferne nach Orientierung.“

„Es war eine interessante Erfahrung, angenehm und professionell, vielleicht ein wenig unfokussiert“, so fasst Prof. Dr. Kerstin Heuwinkel ihren Auftritt bei Scobel (3sat) zusammen. Die Redaktion lud die Tourismus-Professorin der htw saar ein, gemeinsam mit Gert Scobel, Prof. Dr. Claudia Brözel und Prof. Dr. Hasso Spode über den (drohenden?) Tourismuskollaps zu reden. Vor der Gesprächsrunde wurden in einem 45-minütigen Film Probleme gezeigt, die unter anderem durch zu viele Touristen an einem Ort bedingt sind. Die Bilder von Plastikmüll am Strand, riesigen Kreuzfahrtschiffen in Venedig oder spärlich bekleideten Männern in Barcelona sind inzwischen bekannt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie reichen von immer mehr freier Zeit, preiswerten Flugpreisen und dem Drang, sich auf unterschiedlichen Social Media Plattformen an aufsehenerregenden Plätzen zu inszenieren.

Unterschieden werden muss zwischen quantitativen und qualitativen Aspekten. Während bei zeitweise überfüllten Orten wie Kotor (Montenegro) ein verändertes Management der Kreuzfahrtschiffe helfen könnte, erfordert die Wegwerf-Mentalität vieler Urlauber andere Maßnahmen. Es ist ein gesellschaftliches Problem, wenn Abi-Reisen selbstverständlich einen Flug beinhalten oder nicht mehr Länder, sondern ganze Kontinente als Zielgebiete gesehen werden. Die betriebswirtschaftlichen Fragen richten sich auf die Auswahl von Kundengruppen und die Preisgestaltung oder auch auf die Implementierung einer umfassenden Corporate Social Responsibility-Strategie. Schließlich sollte überlegt werden, wo, von wem und wie Menschen für den Tourismus ausgebildet werden. In Zeiten, in denen Tourismus-Professuren an Universitäten nicht nachbesetzt werden, sind Fachhochschulen gefordert, die Inhalte der Studiengänge zu überdenken. Der Anspruch der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der htw saar „Wir vermitteln mehr als Wissen!“ ist dafür ein guter Anfang.

Im Bachelor-Studiengang Internationales Tourismus-Management und Master-Studiengang Freizeit-, Sport-, Tourismus-Management sind Auswirkungen unterschiedlicher Tourismusformen sowie Möglichkeiten und Grenzen der Regulierung fest im Curriculum verankert. Der AIM-Spendenlauf am 10. Juli zeigte anschaulich, wie Theorie (Thematisierung sexueller Ausbeutung von Kindern im Tourismus) und Praxis (Geldspenden für ECPAT generieren) verbunden werden können.

Die Sendung ist in der 3sat-Mediathek abrufbar.

 

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