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I have two dreams…

Prof. Dr. Andy Junker ist seit dem 1. Januar 2017 Vizepräsident für Studium, Lehre und Internationalisierung. Zusammen mit Prof. Dr.-Ing. Jürgen Griebsch, Vizepräsident für Forschung und Wissenstransfer (ebenfalls im Nebenamt) und dem Präsidenten Prof. Dr. Wolrad Rommel sowie der aktuell noch nicht besetzten Vizepräsidentschaft für Verwaltung und Wirtschaftsführung bildet er die Hochschulleitung. Nach knapp sechs Monaten im Amt stand er uns letzte Woche Rede und Antwort.

 

Prof. Junker, Sie sind seit fast einem halben Jahr im Amt. Wie war diese Zeit für Sie?

Die letzte Zeit ist geprägt von vielen Gesprächen mit der Staatskanzlei zum künftigen Haushalt der htw saar. Diese Verhandlungen führen wir als Hochschulleitung geschlossen – das nimmt viel Zeit in Anspruch. Immerhin wird der Haushalt bis zum Ende der Legislaturperiode, also bis 2022, fest gezurrt.

Zu Beginn meiner Amtszeit stand das Kennenlernen des VP-Lehre-Teams und der umfangreichen Tätigkeitsfelder im Mittelpunkt. Ich habe mit dem Audit Familiengerechte Hochschule, dem Diversity-Audit und dem Re-Audit Internationalisierung alleine drei Audits geerbt. Was das Alltagsgeschäft angeht, war mir im Vorfeld nicht klar, dass ein Großteil meines Jobs „stempeln und unterschreiben“ darstellt. Natürlich vermisse ich auch die Lehre, da das Feedback von den Studierenden schon etwas Schönes ist.

 

Das Vizepräsidentenamt Studium und Lehre wurde um den Bereich Internationalisierung erweitert. Wie kam es dazu?

Im Vorfeld gab es an der Hochschule die Diskussion, einen dritten Prorektor für den Bereich Internationalisierung einzusetzen. Schon damals habe ich mich immer dagegen ausgesprochen. Die htw saar ist als Hochschule zu klein, um drei Prorektorate oder heute Vizepräsidentenamte einzurichten.

In der Zeit, in der ich Auslandsbeauftragter war, knappe neun Jahre, haben wir im Arbeitskreis Internationalisierung immer bedauert, dass die Internationalisierung, böse gesagt, etwas stiefmütterlich behandelt wurde, weil sich kein Prorektor den Schuh explizit angezogen hat. Jetzt ist es in der Bezeichnung der Vizepräsidentschaft enthalten. Zugegebenermaßen kann ich nicht mehr 100% meiner Leistung in das Thema einbringen. Aber es hat dadurch nach außen mehr Gewicht bekommen.

 

Würden Sie das heute wieder so machen?

Auf jeden Fall! Auf den bundesweiten Vizepräsidententreffen finde ich diese Kombination oft. Es gibt allerdings auch die Kombination Forschung und Internationales. Das hängt vom Schwerpunkt der jeweiligen Hochschule ab.

Internationalisierung ist aus meiner Sicht nicht wirklich autark. Entweder hat es etwas mit Studium und Lehre zu tun – d.h. man würde ständig dem Vizepräsidenten für Studium und Lehre auf die Füße treten – oder mit Forschung, mit der gleichen Folge. Deswegen würde ich Internationalisierung immer bei einem der beiden Vizepräsidenten sehen. Bei welchem genau ist von den Schnittmengen abhängig. Wobei, das war mir auch von Anfang an wichtig und der Vizepräsident für Forschung hat sich ebenfalls dazu bekannt: im Bereich Forschung muss Internationalisierung stets mitgedacht werden. Das wird es auch. Aktuell wird eine Datenbank für internationale Veröffentlichungen aufgebaut und internationale Kongresse und Symposien werden geplant. Bspw. ist die Hochschule im Oktober dieses Jahres Gastgeberin der 7. International Conference on Industrial Engineering and Systems Management.

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Welche Ziele haben Sie für Ihre Vizepräsidentschaft?

Ein Traum wäre natürlich, dass wir es irgendwann mal schaffen, in jedem Studiengang für die Outgoing Students ein Mobililtäts-Semester zu haben, in dem jemand beruhigt ins Ausland gehen kann, ohne dass es heißt: „Also wenn Du dieses Semester nicht bei Prof. x oder y gehört hast, hast Du definitiv nicht einen Abschluss in …“. Das wäre das eine und umgekehrt natürlich, dass wir ein korrespondierendes Semester haben, in dem wir mind. 30 ECTS in englischer Sprache anbieten, um Incoming Students aufzunehmen. Auch um am sog. Balancing-Prinzip, nach dem man nur an Hochschulen entsenden kann, von denen man auch Studierende aufnimmt, besser partizipieren zu können. Das geht nur, wenn ich zumindest mal eine Anzahl an Lehrveranstaltungen habe, die ich in Englisch anbiete. Da wäre es sehr schön, wenn wir auch fakultätsübergreifend denken, der nächste Traum…

Um beim Thema Flexibilität in den Studienplänen zu bleiben: jeder Studiengang sollte ein freies Wahlfach haben. Eins, bei dem man als Ingenieur sagen kann, ich würde gerne Buchführung hören, oder ein Betriebswirt Einführung in die Sozialwissenschaften belegt. Ich sag jetzt mal pauschal 5 freie ECTS, bei denen ein Studierender, frech gesagt, machen kann, was er will. Solange es mit einer ECTS-Leistung und einer Note honoriert wird.

Es geht heute nicht mehr darum, einen Beruf erlernt zu haben. Es geht darum, gezeigt zu haben, dass man lernen kann. Dann ist es völlig egal, ob jemand Steuern 3 oder Konfliktmanagement belegt hat. Alleine schon weil Steuern 3 in ein paar Jahren neu gelernt werden muss, weil sich die Welt geändert hat. Zeitmanagement, Konfliktmanagement oder Projektmanagement sind vielleicht manchmal wichtiger als das reine wissensorientierte Lernen. Es geht um kompetenzorientiertes Lernen.

Der zweite große Traum ist, dass wir – im Zuge der Umsetzung des saarländischen Hochschulgesetzes – insbesondere im Bereich der Deputatsreduktionen ein gerechtes und transparentes System etablieren, das auf der einen Seite den neuen Aufgaben aber auch der Kritik des Landesrechnungshofes gerecht wird. Kollege Griebsch hat ja schon einen Entwurf für die Reduktionen in der Forschung vorgestellt, ich arbeite aktuell an einem Vorschlag für die Reduktionen in der Lehre respektive bei den Leitungsfunktionen. Sicherlich wird hier auch die Anzahl der betreuten Studierenden künftig eine Rolle spielen.

Das sind Ziele, die, wenn ich ganz realistisch bin, in vier Jahren gar nicht zu machen sind, aber (lacht) wir versuchen es.

 

Sie haben ein großes Team übernommen mit vielfältigen Herausforderungen. Drei Audits, Studium Plus, Mentoring, Angebote für Flüchtlinge, ein Career Service wird aufgebaut, die Studieneingangsphase neu entwickelt. Wie behält man den Überblick?

Auf jeden Fall mal, indem man gute Mitarbeiter hat. In den ersten Monaten wurde ich mit unglaublich vielen Detail-Entscheidungen konfrontiert. Dabei kann ich bei der Vielzahl an heterogenen Projekten gar nicht bis ins letzte Detail wissen, was meine Mitarbeiter wissen. D.h. ihre Vorschläge werden richtig sein, solange der Zug in die richtige Richtung fährt. Diese Changemanagement-Phase war für alle Beteiligten schwer. Ich bin ein Freund davon, Leitplanken vorzugeben, und innerhalb der Leitplanken dürfen Mitarbeiter selbst laufen und entscheiden.

Jeder Mitarbeiter hat seine Eigenverantwortung. Sie alle haben die meiste Ahnung von ihrem Bereich. Mein Job ist es nicht, final etwas auszuarbeiten, einen Antrag zu schreiben oder ähnliches. Mein Job ist es, Ziele vorzugeben und von den Ergebnissen der Abteilung zu berichten. Darüber hinaus sehe ich einen Großteil meiner Aufgabe im Aufdecken von Synergiepotential z.B. zwischen Fakultäten durch Aufzeigen von best-practise-Beispielen oder auch das Zusammenführen von „Insellösungen“ zu einem „großen Ganzen“, beispielsweise wenn ein Kollege eine neue Lehrform ausprobiert hat und nicht weiß, dass ein anderer Kollege gerade das Gleiche probiert.

Was mich aktuell noch bewegt ist, dass ich noch nicht weiß, wie die anderen Fakultäten ticken. Ich bin 11 Jahre bei den Wirtschaftswissenschaftlern „groß geworden“. Deswegen besuche ich in jedem Semester jede Fakultät einmal, berichte über aktuelle Themen und informiere mich über die Entwicklung der Fakultäten. Darin sehe ich übrigens auch einen Großteil meines Jobs.

Prof. Dr. Andy Junker, herzlichen Dank für das Interview.

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