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Europa braucht Europäer!

Am 3. November 2018 hat das Deutsch-Französische Hochschulinstitut (DFHI/ISFATES) der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar) und der Université de Lorraine seinen vierzigsten Geburtstag im Robert Schuman Kongresszentrum in Metz gefeiert. Über 800 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Lehrenden, Studierenden und Absolventen des DFHI-ISFATES waren der Einladung gefolgt.

In einer Zeit, in der Nationalstaaten „first“ sind, in der vermehrt Unterschiede herausgestellt statt Gemeinsamkeiten betont werden und in der Europa auseinander zu driften scheint, in einer solchen Zeit war die Veranstaltung am 3. November 2018 zum 40-jährigen Bestehen des DFHI/ISFATES Balsam für die Seele und Inspiration für den Geist. So viele Menschen zu sehen und zu erleben, die ihr Weg nach ihrem Abschluss am DFHI in die Region, Europa und in die weite Welt geführt hat und die die Idee leben. Schnell wird klar: das DFHI bildet nicht nur sehr gute Fachkräfte aus, es vermittelt Werte, die in diesen Tagen leider allzu oft „second“ sind.

Als vor 40 Jahren das DFHI/ISFATES gegründet wurde, bewiesen die Gründer viel Mut. Auch sie schwammen gegen den Strom und haben unermüdlich an ihrer Vision gearbeitet. Sie haben ein Hochschulinstitut geschaffen, das, wie der Ministerpräsident des Saarlandes, Tobias Hans, beim Festakt sagte, ein gelebtes Zeichen der deutsch-französischen Zusammenarbeit und Freundschaft ist. Das DFHI vermittelt nämlich nicht nur die Sprache des anderen Landes, sondern auch dessen Kultur. Wer sich einmal auf eine andere Kultur eingelassen hat, wird offener und hat weniger Schwierigkeiten, sich auf weitere Kulturen einzulassen. Oder, wie es ein Absolvent an diesem Abend ausdrückte: „Wir haben nicht nur die deutsche und die französische Kultur kennen gelernt. Wir haben gelernt, mit anderen Kulturen umzugehen und die eigene Kultur nicht als Referenz für fremde Kulturen anzusehen.“ Mit ein Grund, warum die Absolventen in der Wirtschaft so begehrt sind.

 

Einen ganz anderen Aspekt brachte eine junge Absolventin ein, die mit ihrem Elektrotechnik-Abschluss beim Saarländischen Rundfunk als Systemingenieuren arbeitet. Sie habe nicht nur technisches Knowhow vermittelt bekommen, sie habe beim DFHI gelernt, mit Menschen umzugehen. Das freut den Nutzer, wenn der Systemadministrator nicht nur die Technik im Griff hat, sondern es auch versteht, technikfernen Menschen die Technik zu erklären und auf deren Bedürfnisse einzugehen.

Dabei bietet das Studium am DFHI für jeden Studierenden auch ganz spezielle Tücken. Ein Franzose berichtete von seinem ersten Semester in Deutschland. In Saarbrücken angekommen, halfen ihm seine Deutschkenntnisse beim ersten Kontakt mit Einheimischen recht wenig. Als er nach dem Weg fragte, verstand er kein Wort seines Gegenübers und war kurz unsicher, ob er denn im richtigen Land sei. Doch, auf den Schildern stand Saarbrücken. Der Saarbrücker hatte schlicht und ergreifend in Platt geantwortet. Deutsch ist nicht gleich Deutsch, so wie Französisch nicht gleich Französisch ist, je nach Region. Nach diesen anfänglichen sprachlichen Schwierigkeiten verlief sein Studium aber bestens, so dass er das Angebot eines Doppelabschlusses in Montreal, Kanada, annahm und seitdem dort lebt und arbeitet. Er organisiert E-Sports-Veranstaltungen – schon während seines Informatikstudiums hatte er an der htw saar LAN-Nächte, also PC-Spiel-Veranstaltungen mit vernetzten Rechnern, organisiert.

40 Jahre DFHI/ISFATES – das ist nicht nur eine schöne Geschichte der Partnerschaft zweier Länder und zweier Hochschulen. Es ist ein Zeugnis der Arbeit vieler, die trotz der Hürden, die zwei Hochschulsysteme und Hochschulen mit sich bringen, an ihrer Vision weiterarbeiten. Es ist ein Zeugnis engagierter Studierender, die alle zwei Semester von der QWERTZ- auf die AVERTY-Tastatur wechseln, von Metz nach Saarbrücken ziehen und sich auf die andere Nation einlassen. Ein Studium am DFHI ist sicher aufwändiger, aber es bringt auch so vieles mehr. Neue Familie inklusive – denn DFHI-ler halten zusammen. Wenn man beispielsweise ein Semester in Montreal verbringt, kann man einen DFHI-Absolventen der dort lebt anrufen und sich informieren. Wie einen guten Onkel oder Cousin.

Dass das DFHI/ISFATES seit vierzig Jahre besteht, ist keine Garantie dafür, dass es in 10 Jahren noch existiert, mahnte Prof. Dr. Thomas Bousonville, Direktor des DFHI. „Wir müssen es weiterhin ständig neu erfinden, an neue Gegebenheiten und Anforderungen anpassen. Das war das Rezept, mit dem das DFHI 40 Jahre erfolgreich war und als Vorreiter für andere deutsch-französische Studiengänge diente. Wenn wir uns daran halten, werden unsere Nachfolger mit Sicherheit eine 80-Jahresfeier organisieren.“

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