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Windeln statt Formeln

Peter Birkner ist 2019 zum ersten Mal Vater geworden. Um für seine Tochter da zu sein, hat er Elternzeit genommen. Foto: privat

Peter Birkner, Professor für Mathematik an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften, ist 2019 Vater geworden. In einem Interview berichtet er von seiner Elternzeit. Das Interview führte Sandra Wiegand, Leiterin des Familienbüros.

Immer noch nehmen nur 37 Prozent der Väter überhaupt Elternzeit, und von denen die überwältigende Mehrheit nur die zwei „Vätermonate“. Sie haben länger Elternzeit in Anspruch genommen. Warum?

Nachdem meine Frau vier Monate Elternzeit genommen hatte, habe ich das Gleiche auch getan, und meine Frau hat zu diesem Zeitpunkt wieder angefangen zu arbeiten. Wichtig war es für mich, dass ich schon im ganz frühen Alter Zeit mit meiner Tochter verbringen kann, damit ich als Vater eine enge Beziehung zu ihr aufbauen kann, die meiner Meinung nach genauso wichtig ist, wie die Beziehung zur Mutter.

Wie haben Sie diese Monate erlebt?

Diese Monate waren etwas ganz Besonderes. Gerade in diesem jungen Alter kann man quasi täglich neue Entwicklungsschritte der Kleinen beobachten, was sehr spannend ist. Für meine Frau und mich ist es wichtig, unsere Tochter gleichberechtigt aufzuziehen, und das bedeutet, dass beide Elternteile sich gleichermaßen um das Kind kümmern. Und dazu gehört nicht nur das Spielen und Spazierengehen, sondern selbstverständlich auch das Füttern oder Wickeln. Dabei macht man unglaublich viele neue Erfahrungen und entwickelt sich auch selbst weiter.

Was waren die größten Unterschiede zu Ihrem bisherigen Arbeitsalltag?

Der größte Unterschied bestand darin, dass unsere Tochter zum größten Teil den Tagesablauf bestimmt und nicht etwa Vorlesungstermine oder Prüfungen. Und daher habe ich mich eher mit Windeln statt mit Formeln beschäftigt.

Was hat Ihnen besonders gut gefallen?

Die Elternzeit hat mir ermöglicht, wirklich viel Zeit mit meiner Tochter zu verbringen, was bei einer regulären Tätigkeit einfach nicht möglich ist. Weiterhin haben wir auch finanziell eine Unterstützung in Form des Elterngelds erhalten. Somit konnte der Verdienstausfall auch teilweise ausgeglichen werden.

Was weniger?

Ich war erstaunt, dass es offensichtlich immer noch Vorbehalte gegenüber Vätern gibt, die sich gleichberechtigt um ihre Kinder kümmern.

Was hat Sie überrascht?

Ich war überrascht, wie schnell ich mich in die Vaterrolle eingelebt habe. Man hat ja vorher keine Ahnung, wie es ist, sich von heute auf morgen rund um die Uhr um eine kleine Person zu kümmern. Aber meine Tochter hat es bisher gut überstanden.

Wie gut gelingt Ihnen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Als Hochschullehrer hat man das große Glück, dass man Teile der Arbeit örtlich und zeitlich flexibel erledigen kann, d.h. vor allem, dass ich einige Tätigkeiten zu Hause erledigen kann. Wenn ich eine Vorlesung vorbereite oder E-Mails bearbeite, ist es immer mal wieder zwischendurch möglich, dass ich mit meiner Tochter spiele (wenn sie nicht gerade meinen Computer auseinander nehmen will). Das ist eine willkommene Abwechslung, und ich bin für diese Flexibilität sehr dankbar. Dennoch wäre dies nicht ohne eine zusätzliche Betreuung in der Krippe möglich.

Welche Problemfelder ergeben sich eventuell in Zukunft?

Möglicherweise ergeben sich Probleme bei der Kinderbetreuung in der Zukunft, da sowohl meine Frau als auch ich arbeiten. Da wir nicht in der Nähe unserer Großeltern leben, ist dies vor allem eine Herausforderung, wenn unsere Tochter krank ist. Wir sind aber absolut zuversichtlich, dass wir hier jeweils eine gute Lösung finden werden.

Wie teilen Sie sich die Erziehung der Kinder mit der Mutter auf?

Wir versuchen dies so gleichberechtigt wie möglich zu tun. Ich bin der Ansicht, dass es in der heutigen Zeit einfach nicht sein kann, dass man davon ausgeht, dass die Kindererziehung fast ausschließlich von der Mutter übernommen wird. Außerdem soll unsere Tochter nicht mit einem überholten Rollenbild aufwachsen.

Wird die Vereinbarkeit durch bestimmte Aspekte der Arbeit an der htw saar erleichtert?

Nur durch die Unterstützung der Hochschule konnte ich die Elternzeit überhaupt in Anspruch nehmen. Hierbei meine ich, dass die Hochschule gemeinsam mit mir eine Vertretung für meine Vorlesungen gefunden hat. Das hat wunderbar geklappt. Zusammen mit anderen Kollegen konnte der Übergang für die Studenten so nahtlos gestaltet werden.

Welchen Tipp würden Sie einem angehenden Vater gerne mit auf den Weg geben?

Ich kann jedem angehenden Vater nur empfehlen, die Möglichkeit der Elternzeit in Anspruch zu nehmen. Kleine Kinder entwickeln sich so schnell, und für diese wunderbare Lebensphase sollte man sich genug Zeit nehmen, um dabei und mittendrin sein zu können.

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