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Aktiv Erinnerungsarbeit leisten

Das Projekt DigDFMemorials hat das Ziel, Erinnerungsorte der deutsch-französischen Geschichte, insbesondere des Krieges 1870/1871 sowie des 1. und 2. Weltkrieges zu digitalisieren und somit für die Bevölkerung langfristig sichtbarer zu machen.
Angefangen mit dem Gestapo-Lager Neue Bremm in Saarbrücken sollen auch das „für Frankreich gefallene“ Dorf Fleury-devant-Douaumont bei Verdun, das KZ Natzweiler-Struthof und das Grab von Katherine Weißgerber im Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken digitalisiert werden.

Momentan haben wir mit einer schweren gesundheitlichen Krise zu kämpfen, die für die Gesellschaft und die Wirtschaft weltweit eine Herausforderung darstellt. Der französische Präsident sagte zu Beginn der Pandemie in einer Rede: „Nous sommes en guerre“, „Wir sind im Krieg“ und sorgte mit dieser Aussage für viel Aufmerksamkeit. Denn die Pandemie mit dem Krieg zu vergleichen schien für viele doch etwas übertrieben, beziehungsweise nur schwer vergleichbar. Wo damals eine Bevölkerungsgruppe gegen eine andere agierte, sind in der aktuellen Situation alle Nationen vereint gegen einen gemeinsamen Feind: das Virus. Die Lage macht uns klar, dass wir uns in einer Ausnahmesituation befinden, aus der wir lernen müssen. Für die Gesundheitskrise ist dies ebenso wichtig wie für die Kriege. Die Generation, die den 2. Weltkrieg noch miterlebt hat, wird immer älter, sodass es nur noch wenige Zeitzeugen gibt. Daher ist es unsere Aufgabe, aktiv Erinnerungsarbeit zu leisten und die Geschichte im Gedächtnis der Bevölkerung zu verankern.

Und warum ist das so wichtig? Es ist wichtig, weil sich nicht nur die Zeitzeugen an den Krieg erinnern können sollen. Verstärkt werden heutzutage antieuropäische Tendenzen laut und die rechten Parteien gewinnen an Wählerstimmen. Umso wichtiger ist es für die Gesellschaft sich in Erinnerung zu rufen, was vor gut 75 Jahren geschehen ist. Wir müssen verstehen, welche grausame Zeit viele Menschen erlebt haben: Verfolgung, Hetze, Hass, Gewalt und viele Tote. Das darf nicht noch einmal geschehen und deswegen muss die Bevölkerung darauf sensibilisiert werden und verstehen, was passiert ist. Warum und wie viele Menschen gelitten haben und somit die Schwere der Grausamkeit verstehen. Es muss jedem klarwerden: Das darf nicht wieder passieren! Aus diesem Grund müssen wir Erinnerungsarbeit leisten und uns die grausame Wahrheit vor Augen führen, um es zu verstehen, anhand von konkreten Beispielen.

So sind wir auf die Neue Bremm gestoßen. Die Neue Bremm in Saarbrücken war ein Gestapo-Lager, in dem ca. 20.000 Häftlinge in den Jahren 1943-1944 inhaftiert wurden. Unter ihnen waren viele französische Widerstandskämpfer, die meistens kaum ein Wort Deutsch sprachen. Das Gestapo-Lager „Neue Bremm“ galt als äußert gewaltvoll. Besonders in Erinnerung blieb den Überlebenden das Löschbecken in der Mitte des Lagers, um das die Häftlinge tagein tagaus den sogenannten „Lagersport“ betreiben mussten. Immer wieder mussten sie um das Becken herum, ob hüpfend, springend oder im Entengang – bis zur Erschöpfung beziehungsweise noch weit darüber hinaus. Viele von ihnen ließen dort ihr Leben. Wenn nicht, wurden sie nach Tagen oder Wochen, extrem geschwächt, in ein Konzentrationslager überführt.

 

 

Neben diesem Lager sollen in einem ersten Schritt noch drei weitere solcher Erinnerungsorte des 1. und 2. Weltkrieges sowie des deutsch-französischen Krieges anhand von Minitheaterstücken, (digitalen) Spaziergängen, kleineren Veröffentlichungen und Broschüren aufbereitet werden. Die weiteren Orte sind das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, Fleury-devant-Douaumont (Verdun) und das Grab von Katherine Weißgerber im Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken.

Beispielsweise aufgrund der Grenznähe des Gestapo-Lagers zu Frankreich, der deutsch-französischen Begegnungen innerhalb des Lagers und der gemeinsamen Geschichte, soll mithilfe des Projekts ein Beitrag geleistet werden, die deutsch-französische Beziehung weiter zu intensivieren und die gemeinsame Geschichte aufzuarbeiten.

Jedes Individuum ist eingeladen, dabei zu helfen die Vergangenheit zu bewahren, sich zu informieren und dabei etwas zu lernen. Oder noch besser: einen aktiven Part bei der Erinnerungsarbeit zu spielen.

Das Projekt DigDFMemorials wird finanziell gefördert vom Deutsch-Französischen Bürgerfonds, der htw saar und der Stiftung Demokratie leben! und in Kooperation mit der fitt gGmbH (Institut für Technologietransfer an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes gGmbH) durchgeführt.

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