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Abschlussveranstaltung TERMINAL

Das Forschungsprojekt ‚TERMINAL‘ hat in den vergangenen vier Jahren die Möglichkeiten automatisierter Minibusse im öffentlichen grenzüberschreitenden Personennahverkehr untersucht und deren sukzessiven Einsatz in Pilotvorhaben vorbereitet. Zum Projektabschluss wurden nun die Forschungsergebnisse präsentiert.

Bei der Abschlussveranstaltung des Forschungsprojekts TERMINAL wurden innovative Mobilitätslösungen für Berufspendler in der Großregion diskutiert. Fotos: Sand/ htw saar

Nachdem die Rahmenbedingungen für einen automatisierten Verkehr in der Grenzregion im ersten Projektteil erforscht, in einer Probephase die Reaktionen der Fahrzeuge auf der Strecke untersucht und die Begleitfahrer intensiv geschult wurden, folgte eine praktische Testphase, die drei Monate lang den grenzüberschreitenden, automatisierten, elektrischen Shuttledienst im Realverkehr erprobte. Für die 17 Kilometer lange Strecke zwischen Creutzwald und dem Industriegebiet „Im Häsfeld“ in Überherrn-Altforweiler wurden zwei Tesla Model X eingesetzt. Der Shuttleservice bot registrierten Berufspendlern die Chance, das neue Mobilitätskonzept kostenlos auszuprobieren.

Für die 17 Kilometer lange Teststrecke zwischen Creutzwald und dem Industriegebiet „Im Häsfeld“ in Überherrn-Altforweiler wurden zwei Tesla Model X eingesetzt.

Während der gesamten praktischen Testphase unter der Verantwortung der htw saar wurden technische Fahrzeugdaten gesammelt, die Auskunft geben, wann und in welchen Situationen das Fahrzeug im Autopilotmodus selbst gefahren ist und wann es erforderlich war für die Begleitfahrer die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen.

Auch die Erfahrungen und das Fahrerlebnis der Passagiere wurden in Form von Befragungen gesammelt und deren Analyse lieferte wichtige Erkenntnisse über Akzeptanz und Grenzen dieses Mobilitätskonzepts.

Auch automatisierte Mobilität-on-Demand (MOD), also Fahr-Services, die ihre Fahrgäste individuell von einem Standort zum gewünschten Ziel befördern, wurde in Luxemburg getestet. Dafür wurde ein eigens entwickeltes, modulares und automatisiertes Fahrsystem im Testfahrzeug der Universität Luxemburg eingebaut. Parallel dazu wurde vom Forschungsinstitut LORIA (Laboratoire lorrain de Recherche en Informatique et ses Applications) eine Reservierungsapplikation für eine MOD-Fahrt entwickelt, die Pendlern ermöglichte, eine Fahrt zu buchen.

Im Anschluss daran entwickelte das Forscherteam der Technischen Universität Kaiserslautern neue Mobilitätskonzepte, analysierte deren Potenzial sowie die Übertragbarkeit auf andere Regionen. „Das Projekt TERMINAL hat die Grundlage dafür geschaffen, dass Infrastrukturbetreiber besser abschätzen können, was die Zukunft von automatisiertem Fahren für sie bedeutet“, sagt Prof. Dr.-Ing. Horst Wieker, Leiter der Forschungsgruppe Verkehrstelematik an der htw saar, der das Projekt von Anfang an wissenschaftlich betreut hat.

Bei der Abschlussveranstaltung am 16. September 2022 in Creutzwald stellten die Forschungspartner die Projektergebnisse sowie die erarbeitete Handreichung zur Einführung von grenzüberschreitenden automatisierten ÖPNV-Verbindungen für Verkehrsbetriebe vor. Daraus geht ein Leitfaden hervor im Hinblick auf zu berücksichtigende Anforderungen bspw. zur Strecke, Fahrzeugen, Infrastruktur und rechtlichen Rahmenbedingungen.

Elektrisches, automatisiertes Fahrzeug, das im Shuttledienst eingesetzt worden ist.

Die größten Herausforderungen liegen laut Forscherteam bei der rechtlichen und technischen Umsetzung. Eine Harmonisierung und Standardisierung des Genehmigungsprozesses für automatisiertes Fahren, für die Anerkennung von Prüfverfahren sowie die Schaffung von transnationalen, einheitlichen Anforderungen an Aufsichtspersonal seien von zentraler Bedeutung für die Entwicklung des automatisierten Fahrens. Dabei könnte insbesondere die Gründung kontrollierter und verkehrsfreier Teststrecken im Deutsch-Französischen-Luxemburgischen Testfeld die weitere technische Entwicklung unterstützen.

„Dieses Leuchtturmprojekt liefert wichtige Erkenntnisse insbesondere im Bereich der Akzeptanzbedingungen, die für künftige Erprobungen von Nutzen sein werden. Nicht nur die Verkehrsbetriebe, sondern auch Fahrzeughersteller müssen dabei den Anforderungen der Nutzer gerecht werden“, so Pierre Bazzucchi, stellvertretender Leiter des Büros für technische Vorschriften und Fahrzeugzulassung im französischen Ministère de la Transition écologique et de la Cohésion des territoires (Ministerium für den ökologischen Übergang und den Zusammenhalt der Gebiete). Jean Schiltz, Head of Smart Mobility beim luxemburgischen Wirtschaftsministerium betonte, dass die gute Arbeit für die Steuerung der politischen Entscheidungsfindung von Relevanz ist. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr ergänzte, Ziel sei es, „neue Erprobungsvorhaben für das Testfeld zu gewinnen, die Antragsprozesse für Erprobungen zu vereinfachen sowie die Bekanntheit und Sichtbarkeit des Testfeldes weiter zu erhöhen.“

An dem Projekt beteiligten sich verschiedene Unternehmen, Gemeinden, öffentliche Institutionen und Hochschulen der Großregion. Federführender Partner ist die htw saar.

Das rund 3 Millionen-Projekt wurde mit ca. 1,8 Mio Euro durch das Programm Interreg VA Großregion aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert und vom saarländischen Ministerium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz kofinanziert.

>> Weitere Infos auf der Projektwebseite

 

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