Kinderrechte leben – Ein Kooperationsprojekt zwischen Hochschule, Bildungswerkstatt und Grundschule
Die UN-Kinderrechtskonvention wurde bereits 1989 verabschiedet und 1992 von Deutschland ratifiziert. Seit 2010 gilt sie uneingeschränkt für jedes in Deutschland lebende Kind und sichert damit Kindern unter anderem Schutz, Förderung und Beteiligung zu – und das verbindlich! Doch zwischen rechtlichem Anspruch und gelebter Realität klafft oft eine spürbare Lücke. Noch immer wird über statt mit Kindern gesprochen und entschieden, anstatt sie aktiv in Entscheidungen einzubeziehen. Besonders die Beteiligungsrechte geraten häufig in den Hintergrund – dabei sind sie essenziell für die Entwicklung junger Menschen zu selbstbestimmten, verantwortungsbewussten Persönlichkeiten.
Genau hier setzte ein Projekt zu den Kinderrechten im Rahmen eines Seminars des sechsten Semesters im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit und Pädagogik der Kindheit an. Die Studierenden beschäftigten sich intensiv mit der Frage, wie Kinderrechte nicht nur thematisiert, sondern gemeinsam mit Kindern aktiv gestaltet werden können. Ziel war es, kindliche Perspektiven sichtbar zu machen, sie in ihrer Meinungsäußerung zu stärken und echte Beteiligung zu ermöglichen.
Ein starkes Netzwerk für Kinderrechte
In Kooperation mit der Bildungswerkstatt Kirchberg in Malstatt, die unter dem Leitbild „Offenheit, Transparenz, Partizipation und Innovation“ Bildungsarbeit leistet und Menschen im Stadtteil zusammenbringt, wurde ein kreatives und partizipatives Projekt mit der Grundschule Wallenbaum ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage: Wie können Kinder ihre Rechte selbst entdecken, verstehen und anderen erklären?
Partizipative Forschung als methodische Orientierung
Das Projekt orientierte sich methodisch an den Prinzipien der partizipativen Forschung, die Kinder nicht als Forschungsobjekte, sondern als aktive Mitgestalter*innen versteht. Ihre Perspektive wurde bewusst in den Mittelpunkt gerückt. Die Studierenden entwickelten erste Ideen für interaktive Einheiten zu einzelnen Kinderrechten und entwickelten diese dann in Zusammenarbeit mit den Schüler*innen der dritten und vierten Klasse in der Bildungswerkstatt weiter. An mehreren Projekttagen begegneten sich Studierende und Kinder auf Augenhöhe. Mit Spielen, Gesprächen, kreativen Aufgaben und künstlerischen Ausdrucksformen setzten sie sich gemeinsam mit einem ausgewählten Kinderrecht auseinander. Dabei entstanden farbenfrohe Plakate, Zeichnungen und Collagen – echte Ausdrucksformen kindlicher Wahrnehmung und Meinungsäußerung.

Ein besonderes Format bot die Arbeit einer Gruppe, die sich mit den Beteiligungsrechten von Kindern über das Medium des Podcasts auseinandersetzte. Die Kinder sprachen über ihre Erfahrungen in der Schule, im Alltag und zu Hause. Sie reflektierten, wo sie mitreden dürfen – und wo nicht. Dabei wurden nicht nur Herausforderungen sichtbar, sondern auch Wünsche, Hoffnungen und konkrete Ideen für mehr Mitsprache.
So äußerten die Kinder beispielsweise auf die Frage danach, wie es sich für sie anfühle, wenn sie mitbestimmen können mit „groß“ und „es wird einfach besser“, was die Bedeutung und Relevanz der Mitsprache und Mitbestimmung von Kindern unterstreicht.

Abschluss mit Wirkung: Die Wanderausstellung
Der krönende Abschluss des Projekts war eine Wanderausstellung in den Räumen der Bildungswerkstatt. Die entstandenen Plakate, Podcasts und Projektergebnisse wurden nicht nur präsentiert, sondern von den Kindern selbst vorgestellt – vor Mitschüler:innen, Studierenden und Lehrkräften.

Es entstand ein Raum des Austauschs und der gegenseitigen Wertschätzung. Wanderausstellung in den Räumen der Bildungswerkstatt. Ihre Erkenntnisse und Erlebnisse wurden sichtbar – und vor allem: gehört!

Fazit: Kinderrechte brauchen echte Beteiligung
Das Projekt zeigte eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Kinder ernst genommen und aktiv einbezogen werden. Ihre Perspektiven sind nicht nur relevant – sie sind unverzichtbar, wenn wir eine gerechte und kindgerechte Gesellschaft gestalten wollen. Kinder haben das Recht, gehört zu werden. Doch dieses Recht braucht Räume, Methoden und Erwachsene, die bereit sind, zuzuhören. Das Kooperationsprojekt war ein kleiner, aber wirkungsvoller Schritt in diese Richtung – und ein Plädoyer für mehr gelebte Kinderrechte im Alltag.
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