10. ECSPM-Symposium zur Internationalisierung, Mehrsprachigkeit und Übersetzung
Vom 19. bis 20. März 2026 richteten der Sprachenrat Saar und die htw saar in Saarbrücken das 10. ECSPM-Symposium aus. Im Fokus stand die Internationalisierung der Hochschulbildung durch Mehrsprachigkeit und Übersetzung als Antwort auf globale Volatilität.
Als Brückenkopf deutsch-französischer Kooperation bot die Großregion den idealen Rahmen, um die Synergie zwischen akademischer Exzellenz und institutioneller Diplomatie zu verankern.
Unter der Schirmherrschaft des Saarbrücker Oberbürgermeisters und mit Unterstützung der Staatskanzlei wurde die politische Relevanz von Mehrsprachigkeit als Rückgrat der europäischen Integration unterstrichen.
Anerkennungen und Grußbotschaften
Die strategische Tragweite des Symposiums wurde durch die explizite Anerkennung auf höchster politischer Ebene untermauert, was eine unmissverständliche Signalwirkung an die internationale akademische Gemeinschaft entfaltete.
Ein besonderer Dank gilt der Staatskanzlei des Saarlandes für ihre substantielle sprachpolitische Unterstützung, die die konzeptionelle Realisierung dieses Formats ermöglichte.
Die Ministerpräsidentin Anke Rehlinger betonte zudem in ihrem schriftlichen Grußwort die Vorbildfunktion des Saarlandes als Modellregion für gelebte Mehrsprachigkeit:

Der Chef der Staatskanzlei, David Lindemann, würdigte in seinem Grußwort die wissenschaftliche Kooperation als fundamentales Friedensprojekt und betonte die zentrale Rolle der Frankreichstrategie für den interkulturellen Zusammenhalt.




Bürgermeisterin Barbara Meyer unterstrich in ihrem Grußwort die Verbundenheit von Stadtverwaltung und akademischem Fortschritt. Frau Meyer hob Mehrsprachigkeit als „Schlüssel zu einer inklusiven Gesellschaft“ hervor.

Mehrsprachigkeit als infrastrukturelle Basis: Strategische Zielsetzungen
Das Symposium positionierte die Internationalisierung der Hochschulbildung als Schutzraum gegen Antiliberalismus und Isolationismus. Durch die Achtung sprachlicher Diversität bleiben Universitäten Orte des kritischen Diskurses. In Verbindung mit der Frankreichstrategie wurde Mehrsprachigkeit nicht nur als Bildungsideal, sondern als notwendige Infrastruktur definiert. Übersetzung fungiert hierbei als Schlüsseltechnologie, um den globalen Wissenszugang auch in politisch instabilen Zeiten abzusichern.
Programmdetails und Vorträge
Das Symposiums-Programm zeichnete sich durch eine erhebliche inhaltliche Breite aus:
- Thomas Tinnefeld (htw saar) und ebenso Bessie Dendrinos (ECSPM) betonten die strategische Rolle der Mehrsprachigkeit für die akademische Resilienz und soziale Inklusion als Antwort auf Isolationismus.
- Andrea Petö (CEU Wien) analysierte die Erosion akademischer Freiheit durch illiberale Politik und forderte den Schutz demokratischer Werte.
- Terry Lamb (University of Westminster) hob hervor, dass die Nutzung sprachlicher Vielfalt als institutionelles Kapital den „plurilingualen Habitus“ von Absolventen signifikant steigert und damit ihre globale Beschäftigungsfähigkeit fördert.
- Aisling Tiernan (RWTH Aachen) forderte eine Neugestaltung der Internationalisierung, um Mobilität visumpflichtiger Studierender ohne Kontrollpraktiken zu ermöglichen.
- Monté El Mahjoubi (Tilburg University) analysierte, wie restriktive De-Internationalisierungspolitik in den Niederlanden ein „feindseliges Umfeld“ schafft.
- Antonella Sorace (University of Edinburgh) betonte die kognitiven Vorteile von Mehrsprachigkeit und die Relevanz der Übersetzung für informierte politische Weichenstellungen.
- Kristin Vold Lexander beleuchtete das DIALOGUES-Projekt zur Förderung von Inklusion und epistemischer Gerechtigkeit durch die Integration lokaler Sprachen in Sambias digitale Bildung. Marte Nordanger warnte zudem vor der ethischen Instrumentalisierung von Sprachtests als staatliches Disziplinierungswerkzeug, das Grundrechte an ein bestimmtes Sprachniveau knüpft.
- Christos Ellinides (Generaldirektor, Generaldirektion Übersetzung, Europäische Kommission) präsentierte die EU-Strategie zur digitalen Souveränität und linguistischen Parität in der Ära der KI. Das Ziel ist die Entwicklung eines institutionellen Large Language Model (LLM) unter Kooperation mit dem Open-Source-Modell Mistral, um höchste Transparenz und GDPR-Konformität zu gewährleisten. Er betonte die Notwendigkeit massiver Investitionen in Supercomputing (wie MareNostrum 5) und die beeindruckende URAMIS-Datenbank (über 2 Milliarden Sätze). Trotz technologischer Fortschritte hob Ellinides hervor, dass Personal das wichtigste Kapital bleibt, da Translation im Grunde ein menschlicher Prozess ist. Seine zentrale Forderung war, Europa zu einem KI-Kontinent zu machen, auf dem keine Sprache und keine Kultur zurückgelassen wird.
- Jan Engberg (Aarhus University) betonte die Relevanz der Übersetzung als individuellen Wissensaufbau und forderte eine bessere Vorbereitung von Akademikern auf mediierte Interaktion.
- Effie Fragkou (NKUA) definierte Übersetzung als strategische Infrastruktur für globale Wissenszirkulation und eine offene Wissenschaft, die einen verantwortungsvollen Umgang zur Förderung epistemischer Gerechtigkeit erfordert.
- Der Beitrag von Aleksandar Trklja (Universität Innsbruck) analysierte den Wandel durch generative Systeme und betonte die Rolle von Übersetzern als „epistemische Mediatoren“ zur Sicherung wissenschaftlicher Autonomie gegenüber KI-Automatisierung.
- Carla Bohndick, Sílvia Melo-Pfeifer & Sarah McMonagle (LiDS-Zentrum) analysierten anhand der Zaba-Studie das Zugehörigkeitsgefühl internationaler Studierender und sahen Universitäten als „Laboratorien für soziale Gerechtigkeit“ durch Service Learning.
- Theo Marinis & Andrea Young (ACTIN-Projekt) präsentierten erfolgreiche Ansätze wie pädagogisches Translanguaging zur Integration migrantischer Jugendlicher in Schulen mit hoher Sprachenvielfalt.
- Per Urlaub & Eva Dessein (MIT) plädieren für die bewusste Integration von KI in die Lehre zur Förderung kritischer KI-Beherrschung und Wahrung intellektueller Autonomie.
Zentrale Akzente durch fachkundige Moderationen
Die wissenschaftliche Exzellenz des Symposiums wurde durch die Moderation erfahrener Experten flankiert. Irini Tsamadou-Jacoberger fokussierte auf die Rolle der akademischen Diplomatie gegen Antiliberalismus. Waldemar Martyniuk und Jos Swanenberg hoben die Diskrepanz zwischen politischem Diskurs und studentischer Realität (Inklusion/De-Internationalisierung) hervor. Weitere Experten synthetisierten die theoretischen Beiträge zu praktischen Implikationen für die Lehrerbildung und die ethische Gestaltung von KI-Systemen.
Höhepunkte und dauerhafter Zugang
Die organisatorische Umsetzung entsprach höchsten internationalen Standards, wobei Inklusion und Zugänglichkeit im Vordergrund standen. Das hybride Format in Saarbrücken sicherte durch globale Online-Partizipation eine signifikant erhöhte Reichweite. Zur Gewährleistung nachhaltiger Wissensvermittlung sind die professionell gestreamten Aufzeichnungen dauerhaft auf dem YouTube-Kanal des Sprachenrats Saar verfügbar.
- Livestream Aufzeichnungen:
- ECSPM Symposium (Day 1) 19 March | Internationalisation of HE, Multilingualism & Translation
- ECSPM Symposium (Day 2) 20 March | Internationalisation of HE, Multilingualism & Translation
- Kulturelle Rahmenbedingungen: Ein gemeinsames Abendessen mit klassischer Musik am Vorabend und ein geführter Stadtrundgang förderten den persönlichen Austausch und die Vernetzung der Experten.


Weitere Perspektiven
Das Symposium 2026 bestätigte, dass Internationalisierung eine proaktive Mehrsprachigkeitspolitik und eine robuste digitale Übersetzungsinfrastruktur erfordert. Die Erkenntnisse aus Saarbrücken dienen als Grundlage für die Weiterentwicklung des European Language Data Space zur Sicherung technologischer Souveränität. Das ECSPM wird den Dialog auf seinem im Mai dieses Jahres geplanten Forum in Straßburg in dem Bemühen vertiefen, die Vision eines Europas, das alle Sprachen und Kulturen einschließt, in nachhaltige politische Strukturen zu überführen.
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