Kurs Richtung Flevoland
Im Rahmen des Moduls MICE-Management in den Studiengängen Internationales Tourismus-Management (htw saar) und Internationales Tourismus-Management (DFHI) erhielten neun Studierende unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Rockenbauch die Möglichkeit, theoretische Inhalte des Studiums in der Praxis zu erleben und selbst anzuwenden (SEGELN = Selbstgesteuertes Lernen). Im Sommersemester 2026 führte die gemeinsame Exkursion nach Flevoland, die 12. Provinz der Niederlande. Die Reise wurde dabei nicht einfach nur besucht, sondern von den Studierenden selbst mitgestaltet. In zwei Teams, ITM-Summerbreeze und Triplex Contest, wurden unterschiedliche Bereiche der Reiseplanung und des Veranstaltungsmanagements übernommen. Die Aufgaben reichten von der Organisation der An- und Abreise über die Verpflegung und Finanzierung bis hin zur Konzeption und Durchführung verschiedener Aktivitäten vor Ort. Dabei stand die Verbindung von Theorie, Praxis und Erlebnis im Mittelpunkt. Nachhaltigkeit, Edutainment und Teambuilding bildeten wichtige Leitgedanken der Exkursion selbst.
Die Konzeption von ITM-Summerbreeze verstand die Reise dabei als eine MICE-Erlebnisexkursion, bei der theoretisches Wissen mit praktischen Erfahrungen und gemeinsamen Erlebnissen verbunden werden sollte. Unter dem Leitmotiv „Under the Sea“ wurde ein kreativer roter Faden geschaffen, der die einzelnen Bestandteile der Reise miteinander verbinden sollte. Gleichzeitig ging es darum, die Planung möglichst realitätsnah zu gestalten. Die Studierenden beschäftigten sich mit der An- und Abreiseplanung, der Kosten- und Ressourcenplanung sowie der Gestaltung von Teambuilding-Maßnahmen und Freizeitaktivitäten. Auch Planungstools wie Scoring-Modelle und Risikomatrizen wurden eingesetzt. Dadurch konnten die im Studium vermittelten Methoden nicht nur theoretisch betrachtet, sondern in einer konkreten Planungssituation angewendet werden.
Die Exkursion begann mit einer nachhaltig geplanten Anreise von Saarbrücken nach Flevoland. Die Gruppe fuhr mit Flixbus, Zug und Bus in die Nähe des Surf- und Cat-Camps Veluwemeer. Die Planung der Anreise hatte das Team ITM-Summerbreeze übernommen. Ausreichende Umsteigezeiten wurden bereits im Vorfeld eingeplant, sodass die Hinfahrt ohne Verspätungen und größere Schwierigkeiten verlief. Die Rückreise zeigte dagegen, wie schnell eine gut geplante Route durch unvorhergesehene Ereignisse angepasst werden muss. Da das vorgesehene Uber nicht erschien, wurde kurzfristig eine alternative Lösung gefunden und die Gruppe mit dem Auto nach Harderwijk gebracht. Von dort ging es mit Flixbus und Zug zurück nach Saarbrücken. Die Situation machte unmittelbar erlebbar, wie wichtig Back-up-Planungen, Kommunikation und Flexibilität im Mobilitätsmanagement sind.


In Flevoland wohnte die Gruppe in Holzhütten des Surf- und Cat-Camps Veluwemeer. Neben dem geplanten Programm bot die Unterkunft Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten und Begegnungen. Gemeinsam wurde gekocht, Beachvolleyball gespielt und am Abend am Lagerfeuer zusammengesessen. Gemeinschaftsspiele wie „Werwolf“ sorgten ebenso für Unterhaltung wie das gemeinsame Mitfiebern bei einem Fußballspiel. Auch Zeit, um in den Mittagspausen die Sonne zu genießen, gehörte zur Exkursion. Gerade diese informellen Momente ergänzten das geplante Programm und trugen dazu bei, dass sich die Gruppe auch abseits der eigentlichen Veranstaltungen besser kennenlernte und als Team zusammenwuchs.
Ein zentraler Bestandteil der Reise war der Windsurfkurs. In den actionreichen und abwechslungsreichen Windsurfstunden konnten die Studierenden Wassersport nicht nur als Freizeitaktivität erleben, sondern gleichzeitig einen praktischen Einblick in das Wassersportmanagement gewinnen. Die Bedingungen stellten dabei immer wieder neue Herausforderungen dar, da sowohl sehr starker als auch schwacher Wind erlebt wurde. Dadurch entstand eine steile Lernkurve, bei der Anpassungsfähigkeit und das unmittelbare Reagieren auf die Bedingungen gefragt waren. Am Ende konnten alle Teilnehmenden die praktische Windsurfprüfung erfolgreich bestehen.

Auch die weiteren Aktivitäten waren darauf ausgerichtet, gemeinsames Erleben mit Teambuilding und Edutainment zu verbinden. Beim Sandburgenbauen wurden die Teilnehmenden in Dreiergruppen aufgeteilt und mussten mit unterschiedlichen Handicaps gemeinsam eine Sandburg errichten. Kommunikation, Kreativität und Zusammenarbeit waren dabei ebenso gefragt wie die Bereitschaft, gemeinsam Spaß an der Aufgabe zu haben. Beim Exitgame löste die gesamte Gruppe verschiedene kleine Herausforderungen, bevor eine Yoga-Einheit am Strand für einen ruhigeren Ausklang sorgte. Den Abschluss der Exkursion bildete ein Krimidinner mit dem Thema „Titanic“, bei dem die Gruppe noch einmal gemeinsam in eine andere Rolle schlüpfen und die gemeinsame Zeit auf besondere Weise ausklingen lassen konnte.

Eine besondere Rolle innerhalb der Exkursion nahm der dreitägige Triplex Contest ein, der unter dem Motto „Gemeinsam gegen die Wellen“ stand. Das von Team Triplex entwickelte Konzept verband Bewegung, Lernen und Unterhaltung mit einem klaren Fokus auf Teambildung und Kommunikation. Die Teilnehmenden wurden in zwei Teams aufgeteilt und begaben sich auf eine gemeinsame Expedition, bei der sie verschiedene Herausforderungen bewältigen und Expeditionspunkte sammeln mussten. Begleitet wurden sie dabei vom Triplex-Maskottchen Veluwe Uwe – ein kleiner Plüsch Papagei. Ziel war es, durch die unterschiedlichen Aufgaben Teamgeist, Kommunikation und Zusammenarbeit zu stärken und gleichzeitig neue sportliche Aktivitäten kennenzulernen.


Die drei Tage waren bewusst unterschiedlich aufgebaut. Der erste Tag stand im Zeichen des Ballsports und begann mit einer Teamaufteilung und einem Aufwärmprogramm. Im anschließenden „Special Fußball“ mussten sich die Teams in mehreren kurzen Spielen beweisen. Zusätzlich gezogene Hindernisse und Handicaps sorgten dafür, dass sich die Bedingungen immer wieder veränderten. Dadurch wurden nicht nur sportliche Fähigkeiten gefordert, sondern auch Flexibilität, gegenseitige Unterstützung und die Fähigkeit, gemeinsam Lösungen zu finden.
Am zweiten Tag rückten Denksport, Kreativität und strategisches Handeln in den Mittelpunkt. In einem Quiz konnten die Teams Geld erspielen, das anschließend für den Einkauf von Material eingesetzt werden musste. Mit den verfügbaren Ressourcen sollten sie innerhalb einer begrenzten Zeit ein schwimmfähiges Boot bauen. Nach einer Ideenfindungs- und Skizzierungsphase folgten zwei Bauphasen mit einer Zwischenchallenge, bevor die Boote beim abschließenden Wassertest ihre Belastbarkeit unter Beweis stellen mussten. Die Aufgabe verband Wissen und praktische Umsetzung und machte gleichzeitig deutlich, welche Bedeutung strategische Entscheidungen, begrenzte Ressourcen, Kreativität und Teamarbeit für den Erfolg eines Projekts haben.

Am dritten und letzten Tag standen Schnelligkeit und Kommunikation im Mittelpunkt. Beim Algorithmus beziehungsweise Memory mussten zwei Teammitglieder eine Aufgabe lösen, bei der nur eine Person die entsprechende Information sehen konnte. Präzise Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen wurden dadurch zur Voraussetzung für eine erfolgreiche Lösung. Beim Hindernispaddeln waren wiederum Balance und Präzision gefragt, während beim Eierlauf ein Teammitglied mit verbundenen Augen von einem anderen durch einen Hindernisparcours geführt wurde. Die Aufgaben setzten die Teilnehmenden bewusst unter Druck und machten dadurch sichtbar, wie wichtig eine klare Rollenverteilung, Vertrauen und effiziente Kommunikation innerhalb eines Teams sind.

Ein wichtiger Bestandteil des Triplex-Konzepts war dabei die Reflexion. Nach jedem der drei Tage wurde gemeinsam auf die Erfahrungen und Herausforderungen zurückgeblickt. Dadurch konnten nicht nur die einzelnen Aktivitäten bewertet, sondern auch die eigene Kommunikation und Zusammenarbeit innerhalb der Teams reflektiert werden. Die Reflexion bildete damit eine direkte Verbindung zwischen dem Erleben einer Aufgabe und dem daraus entstehenden Lernprozess zur weiteren Persönlichkeitsentwicklung von Leadership-Skills.
Genau diese Verbindung von Erleben und Reflektieren machte die Exkursion für uns besonders wertvoll. Durch die Planung und Durchführung der Reise konnten neue Tools und Techniken des Projektmanagements kennengelernt und praktisch angewendet werden. Gleichzeitig wurde das Wissen im Bereich MICE erweitert und vertieft und es konnten neue Rollen und Aufgaben innerhalb des Eventmanagements kennengelernt werden. Vor allem wurde deutlich, wie viel organisatorische Arbeit hinter einer Veranstaltung steckt und wie eng Planung, Durchführung und Nachbereitung miteinander verbunden sind.
Die Erfahrungen zeigten uns auch, dass erfolgreiche Veranstaltungen nicht allein durch eine gute Vorbereitung entstehen. Wetterbedingungen, Mobilität, Zeitmanagement oder andere unvorhersehbare Situationen können jederzeit Einfluss auf den Ablauf nehmen. Entscheidend ist deshalb, Risiken möglichst früh zu erkennen, Alternativen vorzubereiten und als Team flexibel auf Veränderungen zu reagieren.
Für uns als Studierende wurde dadurch der Praxisbezug des MICE-Managements besonders greifbar. Theoretische Modelle und Methoden aus dem Studium erhielten durch die eigene Umsetzung eine ganz andere Bedeutung. Gleichzeitig haben wir gelernt, Herausforderungen gemeinsam zu lösen, unsere Kommunikation und Zusammenarbeit zu verbessern und Verantwortung für unterschiedliche Aufgabenbereiche zu übernehmen (Entrepreneur- und Leadership-Skills). Besonders wichtig war dabei auch die Erkenntnis, dass die Nachbereitung eines Events genauso relevant ist wie dessen Planung und Durchführung. Erst durch die gemeinsame Reflexion lassen sich Erfahrungen auswerten und Erkenntnisse für zukünftige Projekte ableiten.
Nach sieben Tagen in Flevoland ging es schließlich wieder zurück ins Saarland. Im Gepäck waren nicht nur Erfahrungen aus einer gemeinsamen Reise, sondern auch neue Erkenntnisse über MICE-Management, Projektplanung und Teamarbeit. Die Exkursion hat uns gezeigt, wie sich Theorie und Praxis miteinander verbinden lassen und wie aus einer Studienveranstaltung durch Eigenverantwortung, gemeinsames Erleben und Reflexion eine praxisnahe Lernerfahrung entstehen kann (SEGELN = Selbstgesteuertes Lernen). So wurde aus dem Seminar tatsächlich ein gemeinsamer Kurs Richtung Flevoland – und gleichzeitig ein weiterer Schritt auf dem Weg von der Theorie in die Praxis, der zur systematischen Persönlichkeitsentwicklung beiträgt.
Die Projektteams bedanken sich bei allen Teilnehmenden und Unterstützenden sowie der gesamten htw saar und dem Surf- und Cat-Camp Veluwemeer für die Möglichkeit zur erfolgreichen Durchführung der ITM-Sommerakademie 2026!
Wir wünschen allen Beteiligten weiterhin viel Erfolg beim SEGELN!
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