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“Pflege trifft Logistik” geht in die zweite Runde

Nach dem erfolgreichen Auftakt im Wintersemester 2018/2019 trafen sich am 15. bzw. 16. Januar 2020 wieder 16 Studierende der Sozialwissenschaften (Bachelor-Studiengang „Management und Expertise im Pflege- und Gesundheitswesen“) und 17 Studierende der Wirtschaftswissenschaften (Bachelor-Studiengang Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt „Logistik“) zum interdisziplinären Workshop „Pflege trifft Logistik“. Das Ziel des Workshops, der am Hochschul-Technologie-Zentrum der htw saar stattfand, war es, die Studierenden beider Fachrichtungen für die spezifischen Probleme und Lösungsansätze beider Fachgebiete zu sensibilisieren.

Zu Beginn machte Matthias Wrobel, Leiter des zentralen Logistik- und Versorgungswesens am Universitätsklinikum des Saarlandes, in seinem Impulsvortrag „Performance im Prozess: IT-Rollout in der materialwirtschaftlichen Versorgung des Neubaus der Inneren Medizin“ deutlich, dass die reibungslose Zusammenarbeit zwischen Pflege- und Logistikpersonal eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Patientenversorgung ist.

Wie diese Zusammenarbeit gelingt, konnten die Studierenden im anschließenden Workshop selbst erleben: Sie wurden vor ganz alltägliche Herausforderungen der Materialwirtschaft in einem Krankenhaus gestellt. Nun hatten sie die Aufgabe, im Austausch mit der anderen Fachdisziplin und mit Hilfe geeigneter, im Studium erlernter Methoden, die Schwierigkeiten zu lösen.

Die Materialbestellung der Kinderklinik wurde geliefert. Zukünftige Logistik- und Pflegeprofis versuchen gemeinsam, das Chaos zu bewältigen.

Zunächst sollten die Studierenden mit Hilfe von 5S, einer Methode aus dem Lean Management, Ordnung in das Chaos ihres „Lagers“ für medizinisches Verbrauchsmaterial bringen. Im Anschluss daran galt es, den Materialnachschub mittels Kanban, einem Instrument für den Nachbezug von Material, strukturiert zu steuern. Zukünftig wird nicht mehr zu viel Material bestellt, denn dies bindet wertvolles Kapital und Lagerfläche. Es wird aber auch nicht mehr zu wenig bestellt und das Pflegepersonal kann sich – anstatt sich auf Materialsuche quer durch alle Nachbarstationen zu begeben – nun der Patientenversorgung widmen.

Geschafft: Mit geeigneten Mitteln konnte ein Lager organisiert werden, in dem sich sowohl Pflege-l als auch Logistikpersonal zurechtfindet. Anhand von Behältern und Markierungen wird sofort klar, bei welchem Lagerbestand wie viel nachbestellt werden muss.

Schnell wurde deutlich, dass die Fachdisziplinen Pflege und Logistik eine andere „Sprache“ sprechen und teils sehr unterschiedliche Lösungsansätze verfolgen. Doch die Kommunikation und Zusammenarbeit besserte sich im Laufe des Workshops zunehmend und am Ende des Workshops bildete man ein gutes Team. Somit war das Ziel der Dozentinnen erreicht, wie das Feedback zweier BAME-Studierende bestätigt.

„Interessant war zunächst zu sehen, was alles hinter einem Lagersystem stecken kann. Wir aus der Pflege bedienen uns oft einfach nur im Lager. Die Gedanken kommen erst, wenn gewisse Artikel fehlen. In einem zweiten Schritt war es spannend, wohin die Fachleute aus der Logistik ihre Prioritäten gelegt haben, wenn es um das „optimale Lager“ ging. Wir konnten viel voneinander lernen. Die verschiedenen Herangehensweisen und Problemlösungsprozesse brachten wichtige Erkenntnisse in den einzelnen Gruppen. Beispielsweise ist für die Pflege von großer Bedeutung, dass häufig genutzte Artikel möglichst griffbereit liegen. Durch den Input der Logistiker konnten diese Artikel dann in eine sinnvolle Ordnung gebracht werden. Der Workshop ermöglicht, durch Teamarbeit und gegenseitige Wissensvermittlung, eine Verknüpfung von Theorie und Praxis herzustellen. Hiervon profitieren beide Studiengänge.“

Ganz ähnlich klingt auch das Feedback zweier BW-Studierender: 

Durch die Teilnahme am Workshop „Pflege trifft Logistik“ konnte ich einen Einblick in logistische Prozesse eines Krankenhauses erhalten. Insbesondere mit Blick auf die dort anfallende Materialwirtschaft konnte ich feststellen, dass der Austausch sowie die Abstimmung mit Fachkräften aus der Unternehmenspraxis sehr wichtig sind. Durch die Zusammenarbeit mit Studierenden der Fakultät für Sozialwissenschaften wurde mir zudem aufgezeigt, dass die Interessen der Logistiker und die des Pflegepersonals abweichen können. Für den Logistiker steht der reibungslose Prozessablauf im Vordergrund wohingegen das Pflegepersonal andere Ansprüche hat, wie z.B. die Anordnung von Material im Stationslager oder die Art des Kanban-Systems. Ich kann die Teilnahme an diesem Workshop aufgrund der praxisnahen Inhalte sowie spannender Gruppenarbeiten daher nur weiterempfehlen. (Felix Reinstädtler) 

Im Rahmen des Workshops „Pflege trifft Logistik“ hatte ich die Möglichkeit zusammen mit Studierenden der Sozialwissenschaften die beiden Themen 5S und Kanban am Beispiel der Krankenhauslogistik spielerisch kennenzulernen. Besonders spannend war die doch sehr unterschiedliche Vorgehens- und Denkweise der zwei verschiedenen Fachrichtungen. Als angehende Betriebswirtin, mit dem Schwerpunkt Logistik, konnte ich stark von dem Fachwissen und der praktischen Erfahrung der Kommilitonen aus dem Pflegebereich profitieren. Letztendlich konnten wir so gemeinsam ein logistisches Konzept entwickeln, dass auch für den Alltag im Krankenhaus geeignet wäre. Der Workshop hat mir gezeigt, wie wichtig der Austausch zwischen den verschiedenen Disziplinen ist, um kooperativ eine optimale Lösung für alle Beteiligten zu finden. (Eva Niederländer) 

 

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich am Ende des Workshops darüber einig, dass diese Veranstaltung, in der die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen „Gesundheit und Pflege“ und „Logistik“ gestärkt wurde, auch in Zukunft im Angebot der htw saar enthalten sein sollte. Denn auch im Berufsleben nach dem Studium bilden die Fachdisziplinen keine Inseln, sondern müssen sehr eng zusammenarbeiten. Nur so kann eine – unter pflegefachlichen und ökonomischen Aspekten – qualitativ hochwertige Patientenversorgung sichergestellt werden.

 

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