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Aus Spaß wird Ernst … und dann ein Auto

Nachdem die htw saar RoboNight 2019 wieder viele junge, talentierte Programmiererinnen und Programmierer anziehen konnte, war es für den Ingenieurnachwuchs nun endlich soweit den Sonderpreis einzulösen, der von der abat+ GmbH ausgelobt wurde.

Die Gruppe von knapp 30 Schülerinnen und Schülern in Begleitung einiger Lehrkräfte machte sich am 12. Februar 2020 auf den Weg ins Mercedes-Benz Werk in Sindelfingen. Am Campus Alt-Saarbrücken der htw saar startete der Reisebus am frühen Morgen Richtung Westen und erreichte nach zweieinhalbstündiger und dennoch kurzweiliger Fahrt das Werk.

Die erste Etappe der Werksbesichtigung führte ins Besucherzentrum mit einem kleinen Werksmuseum. Auf der Ausstellungsfläche waren vom modernen Rennwagen bis hin zur motorisierten Kutsche eine Vielzahl an Fahrzeugen zu bestaunen, die die Geschichte des Automobils greifbar machten. Es war letztlich aber vor allem der Fahrsimulator, der das Interesse der jungen Besucherinnen und Besucher in seinen Bann zog.

Nach einem kurzen Einführungsfilm in einem der werkseigenen Kinosäle wurde die ganze Gruppe mit Kopfhörern und Funkempfängern ausgestattet. Diese sollten auch in lauteren Umgebungen innerhalb der Produktion die Informationen des begleitenden Guide verständlich an die neugierigen Ohren der jungen Besucherinnen und Besucher bringen.

Bereits bei der ersten Station in den Produktionshallen wurde deutlich, dass diese technische Unterstützung nötig sein würde, denn im Presswerk wäre sonst keine Kommunikation möglich gewesen. Während die Gruppe auf vibrierendem Boden an der Pressstraße entlang lief, wurde erklärt, dass die Anlieger im Umfeld des Fabrikgeländes nachts nur deshalb ruhig schlafen können, weil die Werkshallen mit den Pressen, die mehrere hundert Tonnen wiegen können, auf einem speziellen, gefederten Fundament stehen. Da das Presswerk dank des hohen Automatisierungsgrades, 24 Stunden an sieben Tagen der Woche in Betrieb ist, lässt sich erahnen, wie die Anwohner ansonsten reagieren würden.

Links von der Gruppe arbeiteten die Pressen daran, aus riesigen Blechrollen einzelne Autoteile, wie Türen und Motorhauben herauszustanzen und zu formen. Riesige Industrieroboter bewegten die Bleche dabei von einer Pressform in die andere. Rechts hingegen stapelten sich die tonnenschweren und mehrere Millionen Euro teuren Werkzeuge, die für jedes Automodell unterschiedlich ausfallen und dank eines ausgeklügelten Systems innerhalb weniger Minuten ausgewechselt werden können.

Endlich wieder auf festem Boden angekommen, ging es vorbei an der sogenannten Hochzeit, bei der das Fahrgestell mit dem Motorblock von unten in die von oben heranschwebenden Karosserien eingesetzt wird. In der sich anschließenden Montagehalle, verbauten dann die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, entlang einer endlos langen Kette halbfertiger Autos, weitere Teile wie Kabelbäume, Scheinwerfer oder Armaturenbretter. Hier kannten sich die Mitarbeiter der abat+ GmbH besonders gut aus, denn ihre Software sorgt in den Mercedes-Benz-Werken weltweit dafür, dass die richtigen Teile passend zum Auftrag an die richtige Stelle gebracht werden und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen, welche Sonderwünsche in das jeweilige Auto eingebaut werden müssen.

Die jungen Programmiererinnen und Programmierer der RoboNight entdeckten natürlich sofort die kleinen Robotereinheiten, die völlig autark Regale mit den zu verbauenden Teilen an die Montageplätze lieferten. Diese folgten auf ihren Transportwegen dunklen Linien auf dem Hallenboden und bremsten selbstständig ab, wenn ihnen jemand im Weg stand. Wie die Programmierung dieser Roboter funktionierte, war für die erfahrenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer kein Geheimnis, denn sie alle hatten solche Systeme in den Workshops und Wettbewerben bereits selbst gebaut und programmiert.

So verließ die Gruppe die Montagehalle mit dem Wissen, dass die Fähigkeiten, die man bei der Programmierung der Legoroboter erlernt hatte, auch tatsächlich in der Industrie eine Anwendung finden.

Am Ende der Führung durften die jungen Besucherinnen und Besucher als kleines Andenken die tollen orangenen VIP-Warnwesten behalten, die sie zur Sicherheit auf dem Werkgelände tragen mussten. Es sei kurz erwähnt das VIP hier für „visitor in production“ steht, aber die auffällige Weste dennoch deutlich auf die „very important persons“ aufmerksam machte, die sich als Nachwuchsingenieurinnen und -ingenieure mit den Zukunftsfragen dieser Industrien beschäftigen werden und sich bereits jetzt durch ihr Interesse an den Robotikkursen in ihren Schulen freiwillig auf diese Aufgabe vorbereiten.

Abschließend gilt der Dank für diesen spektakulären Einblick in die Arbeitswelt der abat+ GmbH, die diesen tollen Preis bereits zum dritten Mal ausgelobt hat.

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