Sie lesen gerade: Landespreis Hochschullehre geht zweimal an htw saar

Landespreis Hochschullehre geht zweimal an htw saar

Am 10. März 2020 zeichnete Ministerpräsident Tobias Hans, pandemiebedingt in einer Videokonferenz der Staatskanzlei, gleich zwei Projekte der htw saar mit dem Landespreis Hochschullehre 2020 aus. Dieser Preis wird alljährlich verliehen und zeichnet mit einem Preisgeld von insgesamt 50.000 Euro bis zu drei herausragende Leistungen im Bereich der Lehre an saarländischen Hochschulen aus.

Der Vizepräsident für Studium, Lehre und Internationalisierung, Prof. Dr. Andy Junker, freut sich über die Auszeichnungen: „Die Verleihung heute unterstreicht die große Bedeutung, die die Lehrenden der htw saar der Weiterentwicklung ihrer Hochschullehre beimessen. Sie nehmen die didaktisch-methodischen Impulse unseres Didaktik-Teams auf und setzen neue Konzepte mit einem herausragenden Engagement um. Ich freue mich, dass dieses Engagement eine besondere Würdigung und Wertschätzung mit der heutigen Preisverleihung erfährt.“

 

Screenshot: Staatskanzlei

Prof. Dr.-Ing. Rudolf Friedrich, Prof. Dr.-Ing. Christian Köhler, Prof. Dr. Susan Pulham und Prof. Dr.-Ing. Frank Rückert haben in ihren Grundlagenvorlesungen Physik, Statistik und Elektrotechnik im Bachelor-Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen das didaktische Konzept „Lernteamcoaching“ erfolgreich umgesetzt. Lernteamcoaching kombiniert Selbstlernphasen der Studierenden mit dem Zusammenarbeiten in studentischen Lerngruppen und dem Coaching dieser Lerngruppen mit den Lehrenden. Hinter diesem Konzept steht die Erkenntnis, dass Studierende sehr gut voneinander und miteinander lernen und sich gegenseitig motivieren. Das Professoren-Team hat dieses Konzept 2017 erfolgreich eingeführt und seitdem stetig auf die Grundlagenfächer Physik, Statistik und Elektrotechnik ausgebaut. Als im Sommersemester 2020 aufgrund der Schließung der Hochschule keine Präsenzlehre möglich war, konnten das Lernteamcoaching ohne Qualitätseinbußen virtuell mit Videokonferenzen der Kleingruppen durchgeführt werden. Durch die Aufteilung in kleine Lerngruppen blieb der Kontakt zu den einzelnen Studierenden sehr gut erhalten.

Grundlagenfächer werden bei Studierenden oft als besonders herausfordernd empfunden. Für den Studienerfolg ist das Beherrschen der Grundlagen jedoch immens wichtig, werden sie als Hilfsmittel doch in den folgenden Fächern vorausgesetzt. Wie erfolgreich eine Lehr- und Lernmethode ist, lässt sich am einfachsten über Klausurergebnisse ermitteln: Hier konnte das Team die Zahl der erfolgreich absolvierten Klausuren sehr deutlich steigern.

Für die LTC-Methode wird der zu erarbeitende Stoff in einzelne Lektionen aufgeteilt. Die Skripte müssen so aufgebaut sein, dass ein Selbstlernen möglich ist. Die Studierenden erarbeiten sich mit diesem Skript die Inhalte und halten offene Fragen fest. In der zweiten Phase, selbstorganisiertes Lernen im Team, treffen sich die Lernteams, um die individuellen Fragen aus der ersten Phase zu bearbeiten und gegebenenfalls schon zu klären. Die Teams bereiten einen Problemspeicher für das Coaching mit den Dozierenden in Phase 3 vor. Der Problemspeicher beinhaltet neben den priorisierten Problemfeldern auch Aspekte, die das Team besonders gut verstanden hat. Jeder der Studierenden trug in den Coachings abwechselnd als Moderator oder Protokollant Verantwortung für sein Lernteam und sorgte mit für den Lernerfolg und auch die Einhaltung notwendiger Regularien. Die Eigenständigkeit und Selbstorganisation der Studierenden werden so gestärkt.

 

Screenshot: Staatskanzlei

Ein weiterer Preis ging an Prof. Dr. Iris Burkholder, die mit „SPaSS mit SPSS und Statistik“ die Jury von ihrem innovativen Lehrkonzept überzeugte. Statistik ist ein Fach, dass sich nicht immer größter Beliebtheit erfreut. Studierende unterschiedlicher Fakultäten tun sich häufig eher schwer mit dem Fach. Ängste der Lernenden vor Formelsprache, unzureichende Vorkenntnisse und mangelndes Selbstvertrauen beeinflussen die Lehre in statistischen Fächern. Für Burkholder stand fest: Die reine Präsenzform ist für dieses Fach nicht optimal. Studierende sollten stattdessen zeit- und ortsunabhängig nach eigenem Bedarf und in eigener Lerngeschwindigkeit die Lerninhalte vor einer Lehrveranstaltung mit Hilfe von zeitgemäßen eLearning-Materialien vorbereiten können (Blended Learning Ansatz), wie z.B. die Berechnung von statistischen Kenngrößen oder die Erstellung von Grafiken. In der Lehrveranstaltung bliebe dann mehr Zeit, um die Studierenden bei der so wichtigen und schwierigen Interpretation der Ergebnisse zu unterstützen. Das erfolge weiterhin in Präsenz, oder in Corona-Zeiten, innerhalb der Onlinevorlesung.

Zudem sollen die Studierenden die Lehrmaterialien auch unabhängig von der Lehrveranstaltung nutzen können, bspw. zur Wiederholung, Vertiefung oder bei der Erstellung einer empirischen Arbeit. Burkholder erstellte Erklärvideos, Anleitungen zur Nutzung der Statistik-Software SPSS, Lernpakete und Quiz-Spiele, die den Spaß am Lernen nicht zu kurz kommen lassen. Die Studierenden unterstützten das Projekt und gaben Rückmeldung, welche Formate ihnen am meisten zugesagt hatten. So ist eine umfassende Online-Bibliothek Statistik entstanden, die von den Studierenden und Dozierenden anderer Fakultäten wie auch anderer Hochschulen gerne genutzt werden. Burkholder hat die Inhalte in einen offenen Moodle-Kurs eingestellt (Moodle ist das von der htw saar genutzte eLearning-Tool), der rege genutzt wird.

Hier geht es zum SR-Beitrag

Artikel drucken

0 Kommentare in “Landespreis Hochschullehre geht zweimal an htw saar”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.