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7. Saarbrücker Fremdsprachentagung

Saarbrücken, 29. Oktober 2025 – „Was für ein schöner Tag, wenn Engel reisen“, eröffnete Prof. Dr. Thomas Tinnefeld, Vorsitzender des Sprachenrats Saar, die deutsche Sektion der 7. Saarbrücker Fremdsprachentagung im Festsaal des Rathauses St. Johann. Für Forscher und Lehrende aus vier Kontinenten hatte die Stadt nicht nur symbolisch den roten Teppich ausgelegt.

Das internationale Symposium „Deutsch lehren und lernen international – dynamische Perspektiven & aktuelle Entwicklungen“, organisiert vom Sprachenrat Saar unter der Leitung von Prof. Dr. Tinnefeld in Kooperation mit der htw saar, bot ein hochkarätiges Forum für den Austausch über die Gegenwart und die Zukunft des Deutschlernens. Die Veranstaltung wurde live gestreamt, so dass eine Teilnahme weltweit möglich war, was auch genutzt wurde.

Ein europäischer Ort des Dialogs: Grußworte aus dem Rathaus

Den feierlichen Rahmen für den internationalen Austausch bot der Festsaal des Rathauses St. Johann, in dem Oberbürgermeister Uwe Conradt, Hausherr und zugleich Schirmherr der Veranstaltung, die Gäste begrüßte.

 

Begrüßung durch den Oberbürgermeister Uwe Conradt im feierlichen Festsaal des Rathauses St. Johann. Foto: Lillian Tinnefeld-Yeh

Herr Conradt hob Saarbrückens historische und kulturelle Rolle als Ort der Begegnung zwischen dem germanischen und dem romanischen Sprachraum hervor und unterstrich die verbindende Kraft der deutschen Sprache in einer vielfältigen Stadtgesellschaft:

„Sprache verbindet: Wenn diese Sprache Deutsch ist und mit vielen positiven Eindrücken angereichert wird, dann wird das uns helfen.“

 

Gruppenfoto mit allen Vortragenden. Foto: Lillian Tinnefeld-Yeh

Video-Grußworte: Inspiration von Gründern und Partnern

Ein besonderer Höhepunkt waren die drei Grußworte, die digital eingebunden wurden. Zunächst richtete Prof. Dr. Albert Raasch, Gründer des Sprachenrats Saar und emeritierter Professor für Angewandte Linguistik an der Universität des Saarlandes, ein herzliches Video-Grußwort an die Teilnehmer*innen. Sein Appell an die internationale Gemeinschaft unterstrich die Bedeutung von Austausch, Kooperation und Kontinuität in der Sprachlehre.

 

Video-Grußwort an die Teilnehmer*innen durch Prof. Dr. Albert Raasch, Gründer des Sprachenrats Saar und emeritierter Professor für Angewandte Linguistik an der Universität des Saarlandes.

Es folgte die Videobotschaft von Prof. Dr. Eva Martha Eckkrammer, Präsidentin der Deutsch-Französischen Hochschule und zugleich Präsidentin der Universität Trier. Sie hob die globale Relevanz der deutschen Sprache hervor und betonte die Notwendigkeit, Deutsch als Medium für internationalen Dialog zu öffnen.

 

Prof. Dr. Eva Martha Eckkrammer hob die globale Relevanz der deutschen Sprache in Ihrer Videobotschaft hervor.

Abschließend wandte sich Prof. Dr. Thomas Bousonville, Vizepräsident der htw saar für Studium, Internationales und Nachhaltigkeit, mit einem Grußwort an das Publikum. Er betonte die praktische Relevanz von Deutschkenntnissen für den Studienerfolg internationaler Studierender und die Verantwortung der Hochschulen, Spracherwerb gezielt zu fördern. Mit einem Anteil von über 20 % Studierender mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit sei die Förderung von Deutsch als Fremdsprache essenziell. Das Engagement der Hochschule ziele darauf ab, internationale Fachkräfte erfolgreich durch das Studium zu begleiten und ihre Integration in den regionalen Arbeitsmarkt zu unterstützen.

 

Prof. Dr. Thomas Bousonville, Vizepräsident der HTW Saar für Studium, Internationales und Nachhaltigkeit, betonte die praktische Relevanz von Deutschkenntnissen für den Studienerfolg internationaler Studierender.

Programm-Highlights

Den Hauptvortrag zum Thema Future Imperfect – Unreife Technologien im Sprachunterricht hielt Herr Prof. Dr. Per Urlaub vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), USA.

 

Hauptvortragender Prof. Dr. Per Urlaub. Foto: Lillian Tinnefeld-Yeh

 

Hauptvortragender Prof. Dr. Per Urlaub. Foto: Lillian Tinnefeld-Yeh

Er stellte die Rolle von Künstlicher Intelligenz im Sprachunterricht in den Fokus und zeigte anhand der Analogie des „Zentauren-Schachs“ dass Mensch und KI zusammen leistungsfähiger sind als jeder Akteur allein:

„Superintelligenz ist nicht eine Technologie, sondern das Zusammenspiel von Mensch und Technologie.“

 

Globale Perspektiven: Impulse vom MIT bis Kairo

Die globale Reichweite des Symposiums spiegelte sich auch in der Vielfalt der weiteren Vortragenden wider: Experten aus Jordanien, Großbritannien, Belgien, Nordmazedonien, der Türkei, Indien, Südkorea und Ägypten präsentierten ihre Forschungsergebnisse.

 

Hauptvortragender Prof. Dr. Per Urlaub. Foto: Lillian Tinnefeld-Yeh

 

Publikumsinteraktion. Foto: Lillian Tinnefeld-Yeh

 

Publikumsinteraktion. Foto: Lillian Tinnefeld-Yeh

Internationale Vortragende und Themen

Die übrigen Vorträge deckten ein breites Themenspektrum der Vermittlung und Erlernung des Deutschen ab. Prof. Dr. Falco Pfalzgraf (London, GB) beschrieb den Rückzug des Deutschen in England infolge des Brexit und forderte eine Neuausrichtung der Germanistik auf praxisnahe Formate wie Languages for Business. In anderen Regionen steht dagegen die pragmatische Motivation der Lernenden im Vordergrund: Prof. Dr. Biljana Ivanovska (Nordmazedonien), Dr. Christina Reissner (Saarbrücken) & Dr. Volatiana Ratsimba (Antananarivo, Madagaskar; wegen der dortigen politischen Situation in Abwesenheit) betonten in ihren jeweiligen Vorträgen, dass Deutsch vor allem als Schlüssel zur Migration und besseren Lebensbedingungen gilt. In Madagaskar führte dies zu einem starken Anstieg der Goethe-Zertifikatsprüfungen. Prof. Dr. Karin Kleppin (Bochum, Jordanien) stellte das Erfolgsmodell der German Jordanian University vor, die lokale Lehrkräfte nach eigenen Standards ausbildet.

Auch die Qualität von Lehrmaterialien und Methoden wurde kritisch beleuchtet. Jun.-Prof. Dr. Stefan Rathert (Türkei) monierte den Mangel an fachdidaktischer Innovation und die Tabuisierung gesellschaftlicher Themen in regionalen DaF-Schulbüchern. Prof. Katja Lochtman (Belgien) empfahl dagegen aufgabenorientierte Rollenspiele zur Reduktion von Sprechangst.

Beiträge aus Asien und Afrika unterstrichen den Wert geisteswissenschaftlicher Kompetenzen im digitalen Zeitalter. Jun.-Prof. Dr. Payal Kumari (Indien) warnte vor einem Verlust akademischer Selbständigkeit durch die ausgeprägte Nutzung von KI. Prof. Yun-Young Choi (Südkorea) präsentierte ein bilaterales Seminar zur Förderung interkultureller Kompetenz durch literarische Übersetzung. Prof. Dr. Dina Aboul Fotouh Salama (Ägypten) hob in ihrem Video-Vortrag hervor, dass Literatur Empathie und kritisches Denken schult – Fähigkeiten, die KI nicht ersetzen kann.

Die abschließende offene Diskussion diente dem intensiven fachlichen und persönlichen Austausch. Im Mittelpunkt stand u.a. die Frage, ob der Begriff Fremdsprache heute noch zeitgemäß ist und wie eine neue Terminologie dem veränderten Verständnis von Sprache und Kultur adäquater gerecht werden könnte.

 

Panel-Diskussion. Foto: Lillian Tinnefeld-Yeh

Fazit: Saarbrücken als Impulsgeber

Das Symposium unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Tinnefeld positionierte Saarbrücken erneut als zentralen Knotenpunkt für den internationalen Austausch über Deutschlernen. Prof. Tinnefeld betonte:

„Das Symposium möge ein Ort des Austauschs, der Inspiration und des entstehenden Wissens sein – ein Impuls, der über die Konferenz hinaus in die globale Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden wirkt.“

 

Abschlussbild. Foto: Lillian Tinnefeld-Yeh

Weitere Informationen zum Symposium, einschließlich des vollständigen Programms und der Beiträge der internationalen Referent*innen, sind auf der offiziellen Website des Sprachenrats Saar abrufbar:

🔗https://sites.google.com/view/7-sft-deutsches-symposium

Die Veranstaltung wurde vollständig aufgezeichnet. Die Videoaufzeichnung des Symposiums steht auf dem offiziellen YouTube-Kanal des Sprachenrats Saar zur Verfügung.

🔗https://www.youtube.com/watch?v=b2Bsa4IY8_Q

 

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