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Heldinnen und Helden zwischen Kindheit, Medien und Profession

Welche Held*innen haben unsere Kindheit geprägt? Welche Geschichten, Filme oder Figuren haben uns Orientierung gegeben, Mut vermittelt oder unsere Vorstellungen von „gut“ und „böse“ beeinflusst? Und welche Bedeutung haben diese Erfahrungen für die spätere professionelle Arbeit mit Kindern und Jugendlichen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Studierende der Studiengänge „Soziale Arbeit und Pädagogik der Kindheit“ sowie „Pädagogik der Kindheit“ der htw saar im Rahmen eines zweitägigen Seminars „Heldenreise in die eigene Kindheit – (mediale) Repräsentationen von Heldinnen und Helden in der Kindheit und deren Relevanz für das Erwachsenen-ICH“ gemeinsam mit Dr. Manuel Freis.

Das Seminar verband biografische Selbstreflexion mit kulturpädagogischen und professionstheoretischen Fragestellungen. Ausgangspunkt war die Annahme, dass Held*innen- und Erfolgsgeschichten in Kindheit und Jugend eine zentrale Relevanz für die Entwicklung von Selbst- und Weltbildern haben. Ob in Märchen, Comics, Filmen, Serien, Büchern oder alltäglichen Erzählungen – Held*innen bieten Kindern und Jugendlichen Identifikationsangebote, Orientierung und Deutungsmuster. Sie vermitteln Vorstellungen davon, was als mutig, gerecht, erfolgreich oder erstrebenswert gilt und beeinflussen damit auch spätere Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Handlungsmuster.

Im ersten Teil des Seminars setzten sich die Studierenden intensiv mit eigenen Kindheits- und Jugenderfahrungen auseinander. Erinnerungen an Lieblingsfiguren, prägende Geschichten oder mediale Vorbilder wurden gemeinsam reflektiert und hinsichtlich ihrer Bedeutung für das heutige Selbstverständnis betrachtet. Dabei zeigte sich, wie stark familiäre Erfahrungen, pädagogische Institutionen und mediale Repräsentationen miteinander verwoben sind. Diese wirken häufig weit über die Kindheit hinaus und prägen Vorstellungen von Identität, Geschlechterrollen oder gesellschaftlicher Zugehörigkeit.

Besonders deutlich wurde im Seminar, dass Heldinnen und Helden niemals neutral sind. Sie transportieren gesellschaftliche Werte, Normen und Erwartungen und spiegeln zugleich historische und kulturelle Entwicklungen wider. Neben Heldinnen und Heldenvorstellungen wurden daher auch stereotype Zuschreibungen, Ambivalenzen und potentiell problematische Idealisierungen thematisiert. Die Studierenden diskutierten unter anderem, welche Körperbilder, Geschlechterrollen oder Vorstellungen von Macht in vielen populären Heldenerzählungen reproduziert werden und wie Kinder und Jugendliche diese wahrnehmen und verarbeiten.

Am zweiten Seminartag führte eine gemeinsame Exkursion in die Ausstellung „Superheroes“ des Historischen Museums der Pfalz nach Speyer. Die Ausstellung bot den Studierenden die Möglichkeit, die zuvor erarbeiteten Fragestellungen anhand konkreter Exponate und medialer Inszenierungen weiterzuführen und zu vertiefen. Die ausführliche und spannende Führung der Kuratorin der Ausstellung, Dr. Henrike Serfas, ermöglichte tiefe Einblicke in die Thematik und verdeutlichte, wie viele Erfahrungen die Studierenden im Umgang mit Held*innenerzählungen bereits mitbringen. Gezeigt wurden vielfältige Superheld*innen aus Comics, Filmwelten, Fantasy- und Mangauniversen. Die Studierenden nahmen die Ausstellung dabei bewusst aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen als Adressat*innen wahr und waren aufgefordert alle Mitmachstationen der Ausstellung selbst auszuprobieren und zu erleben, wie Kinder und Jugendliche museumspädagogisch eingebunden werden. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Zugänge die Ausstellung jungen Besucher*innen eröffnet und welche Botschaften, Identifikationsangebote und Deutungsmuster vermittelt werden. Besonders spannend war die Beobachtung, dass viele Ausstellungsbereiche nicht nur Wissen vermittelten, sondern zugleich emotionale Zugänge und persönliche Erinnerungen aktivierten.

 

Historisches Museum der Pfalz in Speyer. Foto: Manuel Freis/htw saar

 

Studierende beim Ausprobieren der Mitmachstationen. Foto: Manuel Freis/htw saar

 

Darüber hinaus bot die Exkursion Raum, um über die gesellschaftliche Funktion von Held*innen nachzudenken. Für die angehenden Sozialarbeiter*innen und Kindheitspädagog*innen eröffnete die Exkursion zahlreiche Anknüpfungspunkte für die eigene berufliche Praxis. Die Auseinandersetzung mit Held*innenrepräsentationen sensibilisierte dafür, wie bedeutsam Geschichten, Medien und Symbole für Kinder und Jugendliche sind. Gleichzeitig wurde deutlich, dass pädagogische Fachkräfte Kinder und Jugendliche dabei unterstützen können, mediale Erzählungen kritisch zu hinterfragen, stereotype Zuschreibungen zu erkennen und eigene Perspektiven zu entwickeln.

 

Exponat: Joker – Why so serious. Künstler Michel Friess. Foto: Manuel Freis/htw saar

 

Grafitti zum Abschluss der Ausstellung. Foto: Manuel Freis/htw saar

 

Das Seminar zeigte eindrücklich, wie eng biografische Erfahrungen, kulturelle Bildung und professionelle Reflexion miteinander verbunden sind. Die Verbindung aus Selbsterfahrung, theoretischer Auseinandersetzung und gemeinsamer Exkursion ermöglichte den Studierenden einen vielschichtigen Zugang zum Thema der Held*innen und eröffnete neue Perspektiven auf die eigene zukünftige Arbeit in sozialpädagogischen und kindheitspädagogischen Handlungsfeldern. Folgeseminare sind schon in Vorbereitung.

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