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Studieren in Finnland: Wie aus einem Doppelabschluss ein zweites Zuhause wurde

Ein Doppelabschlussprogramm klingt im ersten Moment nicht unbedingt nach der einfachsten Option. Neben dem normalen Studium kommen zusätzliche organisatorische Fragen, neue Anforderungen, ein anderes Studiensystem und natürlich auch ein Auslandsaufenthalt dazu. Man muss sich mit Bewerbungsprozessen, Kurswahl, Anerkennungen und vielen kleinen bürokratischen Schritten beschäftigen. Genau deshalb kann der Doppelabschluss zunächst nach mehr Aufwand klingen als ein klassisches Auslandssemester. Rückblickend würde ich aber sagen: Gerade dieser zusätzliche Schritt lohnt sich. Denn ein Doppelabschluss bedeutet nicht nur, im Ausland zu studieren, sondern wirklich in eine neue Hochschule, einen anderen Studienalltag und eine neue Kultur einzutauchen.

Mein Name ist Alina Ziebarth und ich studiere International Business an der htw saar. Über das Doppelabschlussprogramm mit der LAB University of Applied Sciences in Finnland habe ich einen Teil meines Studiums in Lappeenranta verbracht. Dort konnte ich nicht nur Kurse an einer Partnerhochschule belegen, sondern einen Studienalltag erleben, der sich in vielen Punkten von dem unterscheidet, was ich aus Deutschland kannte.

 

Die LAB University of Applied Sciences in Finnland. Foto: Alina Ziebarth/htw saar

 

Ein Doppelabschluss unterscheidet sich von einem klassischen Auslandssemester vor allem dadurch, dass am Ende tatsächlich zwei Abschlüsse von zwei Hochschulen stehen. Dafür absolviert man einen festgelegten Teil des Studiums an der Partnerhochschule und wird dort stärker in das akademische Leben eingebunden. Man studiert also nicht nur für eine begrenzte Zeit im Ausland, sondern arbeitet gleichzeitig auf einen Abschluss der htw saar und einen Abschluss der LAB University of Applied Sciences hin.

Auch meine Bachelorarbeit ist im Rahmen dieses Doppelabschlusses entstanden. Wer sich für den fachlichen Teil meines Studiums interessiert, kann die Arbeit hier nachlesen: https://www.theseus.fi/handle/10024/926448. Einen kürzeren Blogbeitrag zum Thema meiner Thesis gibt es ebenfalls hier: https://blogit.lab.fi/labfocus/en/owning-one-home-is-not-the-same-as-being-wealthy/.

Schon der Campus der LAB vermittelt ein anderes Studiengefühl. Die Räumlichkeiten sind modern, hell und offen gestaltet. Es gibt viele Orte, an denen man lernen, an Gruppenprojekten arbeiten oder sich zwischen den Vorlesungen aufhalten kann. Dadurch wird der Campus schnell zu einem Ort, an dem man gerne Zeit verbringt, nicht nur für Vorlesungen, sondern auch zum Arbeiten und Austauschen. Dazu kommen mehrere Mensen, Bistros und Cafés, die den Studienalltag unkompliziert machen. Gerade an langen Tagen ist es angenehm, direkt auf dem Campus verschiedene Möglichkeiten für Pausen oder gemeinsames Essen zu haben.

 

Helle, moderne Räumlichkeiten. Foto: Alina Ziebarth/htw saar

 

Auch im Studium selbst merkt man schnell, dass nicht überall gleich gelernt und geprüft wird. Viele Kurse an der LAB waren praxisnah aufgebaut und haben stärker auf gruppenbezogenes Arbeiten gesetzt. Neben klassischen Prüfungen spielten Gruppenarbeiten, Präsentationen, Berichte und kontinuierliche Abgaben eine wichtige Rolle. Dadurch arbeitet man während des Semesters regelmäßiger mit den Inhalten, statt sich erst am Ende auf eine große Klausur vorzubereiten. Das bedeutet anfangs mehr Arbeitsaufwand und Umstellung, lohnt sich aber, weil man die Inhalte aktiver anwendet und tiefer versteht.

Besonders hilfreich war dabei die Unterstützung durch die Professor*innen. Die Kommunikation war offen, direkt und sehr zugänglich. Fragen wurden ernst genommen, und man hatte das Gefühl, bei Unsicherheiten wirklich Unterstützung zu bekommen. Gerade in einem neuen Hochschulsystem ist das viel wert, weil es den Einstieg erleichtert und hilft, sich schneller auf die neuen Anforderungen einzulassen. Neben dem Studium hat auch Lappeenranta selbst die Erfahrung stark geprägt. Die Stadt ist geprägt von einer ruhigen Atmosphäre und einer übersichtlichen Struktur, aber genau das macht ihren Reiz aus. Seen, Wälder und viel Freiraum gehören dort selbstverständlich zum Alltag und schaffen einen starken Kontrast zum oft vollen Studienalltag. Für mich war diese Ruhe ein wichtiger Ausgleich: Man kann konzentriert arbeiten, aber auch schnell Abstand gewinnen und den Kopf freibekommen. Gleichzeitig gibt es auch für diejenigen, die gerne ausgehen, genug Möglichkeiten zur Unterhaltung, auch wenn manche Aktivitäten eher für einen etwas größeren Geldbeutel geeignet sind.

 

Rund um Lappeenranta und in anderen finnischen Städten gibt es viel zu entdecken. Foto: Alina Ziebarth/htw saar

 

Foto: Alina Ziebarth/htw saar

 

Ein weiterer Vorteil ist, dass man von Lappeenranta aus viel entdecken kann. Reisen nach Lappland, Schweden, Norwegen oder Estland sind gut möglich und gehören für viele Studierende zu den besonderen Erinnerungen der Zeit in Finnland. Besonders die Lappland-Tour ist meiner Meinung nach ein absolutes Muss. Bei minus 35 Grad nach einer heißen Sauna mit Freunden ins arktische Meer zu springen, klingt im ersten Moment vielleicht verrückt, ist aber eine Erfahrung, die man nicht so schnell vergisst. Auch rund um Lappeenranta und in anderen finnischen Städten gibt es viel zu entdecken, sodass sich die Zeit nicht nur auf Campus und Studium beschränkt.

 

Foto: Alina Ziebarth/htw saar

 

Foto: Alina Ziebarth/htw saar

 

Foto: Alina Ziebarth/htw saar.

 

Was man bei einem Doppelabschluss ebenfalls bedenken sollte: Die eigene Zeit im Ausland kann länger sein als die vieler anderer internationaler Studierender. Ich selbst war für ein Jahr in Finnland, während einige meiner Freundinnen und Freunde nur für ein Semester dort waren. Natürlich ist es nicht leicht, wenn Menschen, mit denen man viel erlebt hat, wieder abreisen. Gleichzeitig habe ich diese Phase auch als wertvoll empfunden. Man lernt, unabhängiger zu werden, die eigene Zeit bewusster zu gestalten und auch Ruhe und Alleinsein mehr zu schätzen. Gerade dadurch wurde das Jahr für mich nicht nur zu einer sozialen, sondern auch zu einer persönlichen Erfahrung.

Rückblickend war das Doppelabschlussprogramm für mich deutlich mehr als ein klassisches Auslandssemester. Natürlich bringt es organisatorischen Aufwand mit sich und erfordert die Bereitschaft, sich auf ein neues Umfeld einzulassen. Genau dadurch wird die Erfahrung aber auch intensiver. Man lernt nicht nur ein anderes Land kennen, sondern auch ein anderes Hochschulsystem, neue Lernformen, neue Menschen und am Ende auch sich selbst ein Stück besser. Ich habe in Finnland nicht nur eine neue Kultur kennengelernt, sondern sie für eine Zeit selbst gelebt. Als ich zurückgefahren bin, hatte ich nicht einfach nur ein Auslandsjahr abgeschlossen, sondern auch ein zweites Zuhause verlassen.

 

Mehr Infos zu den Doppelabschlussprogrammen der htw saar finden Sie hier.

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