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„Lokale Händler sind unersetzlich“

Der Einzelhandel hat es derzeit nicht leicht – und das nicht nur wegen Corona. Auch schon vor dem pandemie-bedingten Lockdown sahen sich viele Einzelhändler einer scheinbar übermächtigen Konkurrenz gegenüber: Online-Shopping und die wachsende Macht der Plattformen. Beim digitalen saarländischen Handelskongress am 29. April konnte Prof. Dr. Frank Hälsig, ausgewiesener Handels- und E-Commerce-Experte, dann aber dennoch Mut machen. „Sie sind unersetzlich“, begrüßte er die Einzelhändler und Unternehmer gleich zu Beginn der Veranstaltung. Hälsig, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, ist u.a. spezialisiert auf die Themen E-Business, Digitale Geschäftsmodelle und Handelsmarketing. Beim diesjährigen Handelskongress hielt er einen Impulsvortrag zum Thema „Handel 5.0: Die glorreichen Sieben für Ihr erfolgreiches Handeln.“

„Die wahrgenommene Dominanz des Online-Handels wird überschätzt“, sagte Hälsig mit Verweis auf eine aktuelle Umfrage, die belegt, dass die Mehrzahl der Verbraucher, egal welchen Alters, gerne auf Shoppingtour in lokale Geschäfte geht, auf einen persönlichen Ansprechpartner zurückgreift und die Produkt direkt mitnimmt. Zum Einkaufen zieht es die meisten also nach wie vor in die Stadt statt ins Internet. 67 Prozent der Befragten gaben in der Umfrage an „Ich kaufe nicht am liebsten online ein“.

„Kunden kaufen gerne lokal ein, aber d.h. nicht automatisch, dass ein stationäres Geschäft ausreichend ist. Händler müssen digital sichtbar sein und über unterschiedliche Kanäle ihre Produkte anbieten. Aus Lage, Lage, Lage wird Sichtbarkeit, Sichtbarkeit, Sichtbarkeit“, so Hälsig.

Diese Botschaft kam an und stand ganz im Zeichen des diesjährigen Handelskongresses, der vor allem eines wollte: Mut machen in der Krise. Die gemeinsame Veranstaltung des Wirtschaftsministeriums und des Handelsverbands Saarland e.V. stand unter dem Motto „Lokal? Digital? – Egal! Lasst uns handeln und Umsatz machen“. Vor diesem Hintergrund wurden bei der Veranstaltung Fragen diskutiert wie: Wie werden wir künftig einkaufen? Kann auch der lokale Handel vom Online-Shopping profitieren? Wie kann ein moderner, leistungsfähiger Handel in der Zukunft aussehen und welche Weichen müssen dafür gestellt werden?

„Die saarländische Wirtschaft befindet sich mitten in einem Wandel – noch beschleunigt durch die Corona-Pandemie“, so Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger in ihrem Grußwort. Der Einzelhandel stehe auch vor großen Herausforderungen durch Themen wie Globalisierung und Digitalisierung. „Vor diesem Hintergrund müssen wir auf einen lebendigen saarländischen Mittelstand und einen wertschöpfungsstarken Dienstleistungssektor setzen und mögliche Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen im Blick haben“, so Rehlinger. Ziel sei es, gemeinsam mit Partnern im Zukunftsforum Handel zusammenzuarbeiten und Ende 2021 ein interdisziplinäres „Zukunftskonzept für den Handel im Saarland 2030“ vorzulegen.

Als eine ebensolche Chance begreift Hälsig den Online-Handel. Denn obwohl Umfragen zeigten, dass Menschen lieber vor Ort shoppen, zeichne sich auch ab, dass Kunden von ihren lokalen Händlern zunehmend eine Internet-Präsenz erwarten. So würden sie laut einer Umfrage zwar den Einkaufsbummel einem Online-Kauf vorziehen, wollen aber vorher wissen, ob der Händler das gewünschte Produkt auch vor Ort hat.

„Deshalb ist eine gute Sichtbarkeit im Netz unerlässlich, um den lokalen Kunden anzusprechen“, erklärt Hälsig. Doch welche Chance hat die kleine Mode-Boutique oder der Buchladen gegen Amazon und Co? Hierfür wurde beim Handelskongress eine Lösung vorgestellt. Das Start-up alocalo24 hat eigens dafür eine Software entwickelt. Diese soll laut den Gründern ab Ende September zur Verfügung stehen. Ziel ist es Nachfrage der großen Online Plattformen in den lokalen Einzelhandel umleiten und die digitale Sichtbarkeit lokaler Händler maßgeblich zu erhöhen. Kunden und Händler werden wieder näher zusammengebracht.

Daneben stellten auch andere Unternehmen ihre innovativen Ideen vor. So setzt die Keeplocal GmbH aus St. Wendel zum Beispiel auf Gutscheine von lokalen Händlern statt großer Marken, die an jeder Supermarktkasse zu finden sind. Statt eines Gutscheines von H&M oder Amazon lassen sich so auch Geschenke machen, die nebenbei den lokalen Handel unterstützen.

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