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Gender, Diversity und Gleichstellung – verpackt in einer Ringvorlesung

Foto: Colourbox

Am Anfang stand das Barcamp (8. Juli 2021) unter dem Titel „#freegender – htw saar gender_diversity camp – Geschlecht spielt (k)eine Rolle?!“

„Unsere Hochschule ist ein Ort der Vielfalt und Toleranz, ein Ort, an dem sich Menschen vorurteilsfrei austauschen können. Daher war es mir ein persönliches Anliegen beim Barcamp mitzumachen und mit den unterschiedlichen Akteuren und Akteurinnen Gedanken auszutauschen. Es war eine inhaltsreiche und fokussierte Veranstaltung.“ (Prof. Dr.-Ing. Dieter Leonhard, Präsident der htw saar)

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Ermutigt durch die große Teilnahme und die offene Diskussion auf Augenhöhe stellte im Wintersemester 2011/22 ein fakultätsübergreifendes Team unter der Leitung des Gleichstellungsbüros (Prof. Dr. Malte Beinhauer, Annabel Bleif B.A., Prof. Dr. Holger Buck, die Beauftragte für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen Dipl-Soz.in Isabelle Giro , Prof.in Dr.in Kerstin Heuwinkel, die Gleichstellungsbeauftragte Dipl. Ing.in Irmgard Köhler-Uhl, Prof.in Dr.in Mana Mojadadr, Prof.in Dr.in Nicole Schwarz und die Leiterin des Familienbüros Sandra Wiegand M.A.) das Thema „Auswirkungen von Gender & Diversity auf Studium und Beruf“ in einer Ringvorlesung zur hochschulweiten Debatte. Es sollte sich schnell zeigen, dass nicht nur Mitglieder aller Gruppen der Hochschule – z. B. Frau Prof.in Dr.in Ulrike Zöller von der Fakultät Sozialwissenschaften mit Studierenden ihrer Vorlesung -, sondern auch viele externe Zuhörende Interesse fanden. Umgesetzt als hybride Veranstaltung kam ein Format zum Einsatz, das eine Teilnahme in allen Lebenslagen und gerade in Pandemiezeiten ermöglichte und zugleich im Hörsaal Gelegenheit zum persönlichen Austausch bot. Über Moodle waren alle Unterlagen für die Teilnehmenden leicht zugänglich. So wurde die Ringvorlesung sehr gut angenommen.

 

Die Ringvorlesung adressierte in elf Vorträgen sehr unterschiedliche Facetten des Themas. Die Vorlesungen selbst konnten von der Expertise folgender Professor*innen und Mitarbeiter*innen der htw saar profitieren:

Gender & Diversity_Rechtliches

 

Prof. Dr. Holger Buck

 

Wie schnell verändern sich Institutionen nach Inkrafttreten gesetzlicher Vorgaben?

 

Dipl. Ing.in Irmgard Köhler-Uhl

 

Die Verantwortung von Design in der
Gesellschaft am Beispiel von Gender & Diversity
Julia Schygulla M.A. (Fakultätsassistentin AuB und Inhaberin eines Büros für visuelle Kommunikation)

 

Vereinbarkeit von Beruf und Familie –
mehr als ein Personalmarketing-Tool?
Sandra Wiegand M.A. zusammen mit dem externen Referenten Oliver Schmitz (berufundfamilie Service GmbH, Frankfurt)

 

Gendergerechte Konstruktion

 

Prof.in Dr.in Ramona Hoffmann

 

 

Diversity und wirtschaftlicher Erfolg –
(K)Ein Widerspruch?

 

Prof.in Dr.in Mana Mojadadr

 

Frauen im Cockpit – „Wie bin ich denn hier gelandet?“ – Berufsrollen und Stereotype am Beispiel von Pilotinnen Prof.in Dr.in Kerstin Heuwinkel

 

 

Gleichstellung in Kunst und Kultur Prof.in Dr.in Nicole Schwarz

 

 

Wie erlebten die Vortragenden selbst ihre Vorträge?

„Ich hätte nie gedacht, dass mein sprödes Thema weit über 100 Teilnehmende in den Hörsaal lockt. In der Diskussion habe ich selbst viel gelernt.“ (Prof. Dr. Holger Buck)

„Jedes angeschnittene Thema, jede heftige Diskussion, die unterschiedlichen Ausgangssituationen bezüglich Wissen über die Themen oder auch die kontroversen Einstellungen zu den Beiträgen lieferten immer wieder neue Themen und Fragestellungen. Ich hätte nie damit gerechnet, dass das Thema mit einer solchen Begeisterung angenommen wird und wir einen Teil 2 folgen lassen können. Wir versuchen eine „never ending story“ daraus zu machen.“ (Dipl. Ing.in Irmgard Köhler-Uhl)

„Toll, wie sich die Teilnehmer*innen im Verlauf der Ringvorlesung für das Thema öffneten und Empathie entwickelten. Den meisten war vorher nicht bewusst, wie stark gesellschaftliche Normen unser Denken beeinflussen und wie Design diese zukünftig zum Positiven verändern kann. Deshalb freue ich mich über die reflektierten Beiträge zu Vielfalt und Inklusion, die im anschließenden Workshop zusammengetragen wurden. Die Blickwinkel der anderen anzuhören, macht das Thema erst richtig greifbar – ein wichtiger Anfang, um Gleichstellung auch im Alltag zu leben.“ (Julia Schygulla M.A.)

„Die Ringvorlesung hat mir die Möglichkeit zum Austausch mit Kolleg:innen aus anderen Bereichen der htw saar und mit Studierenden aus anderen Fakultäten gegeben. Ich nehme daraus viele Anregungen für meine Lehre und Forschung mit.“ (Prof.in Dr.in Kerstin Heuwinkel)

 

Externe Referent*innen ergänzten den Themenkreis mit ihrer Expertise:

Umgang mit Vielfalt in Organisationen Prof. Dr. Katrin Hansen, Bad Reichenhall (Vizepräsidentin i.R. für Lehre, Studium und Internationales der Westfälischen Hochschule)

 

Diversitätsdimension „soziale Herkunft“ am Beispiel von Studierenden aus nicht-akademischen Familien

 

Katja Urbatsch, Berlin (Gründerin und Geschäftsführerin Arbeiterkind.de gGmbH)

 

Beeinträchtigungen & Diversity Ursula Jonas, Berlin (bis Ende 2021 Ständige Vertreterin der Leiter*innen der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung beim Deutschen Studentenwerk)

 

 

Durch die Möglichkeit, sich die Ringvorlesung als Wahlpflichtmodul anrechnen zu lassen, nutzten Studierende die Chance, sich durchaus fachfremden Themen zu stellen und gemeinsam mit Kommiliton*innen anderer Fakultäten in Projektarbeiten die dazugehörige Prüfungsleistung zu bearbeiten. Die Studierenden bearbeiteten in Kleingruppen fünf Projektarbeiten:

 

Projekt 1 Gender und Diversity im Design / Gender-Marketing

 

Projekt 2 Studierende aus nichtakademischen Familien

 

Projekt 3 CSR (Corporate Social Responsibility) und Diversity eine Win Win Situation?

 

Projekt 4 Genderneutrale Pädagogik

 

Projekt 5 Barrierefreiheit an der htw saar

 

Für einige Teilnehmer*innen war das Thema Gender & Diversity komplettes Neuland:

„Soweit die Gender Diskussion in der Gesellschaft voranschreitet, gehörte ich immer zu den Ahnungslosen unter uns, der nicht das nötige Hintergrundwissen hatte, um sich eine reflektierte Meinung darüber bilden zu können. Über Umwege landete ich dann in der Ringvorlesung. Schon ab der ersten Vorlesung lösten sich einige Knoten in meinem Kopf, von denen ich nicht einmal ahnte, dass sie existieren. Ich möchte einige kleine Beispiele zu diesen „Knoten“ nennen: Ist euch je aufgefallen, dass ein Crashtest Dummy immer männlich ist, als würde eine Frau nicht Auto fahren? Wen nehmen wir beim Designen oder Konstruieren eines Produktes als „normal“ an? An wen denkt ihr bei dem Wort „Business“ oder „Karriere“?“ Mit dem Wissen aus der Ringvorlesung ergeben die Medienberichte und die öffentliche Diskussion jetzt einen Sinn für mich.“ (ein/e Studierende/r)

Andere Studierende hatte aufgrund Ihres Studienfachs schon mehr Vorkenntnisse, die sie in der Diskussion mit den Studierenden anderer Fakultäten für alle gewinnbringend einsetzten konnten. Die Interaktion unter den Studierenden verschiedener Fachrichtungen wird in der für das Sommersemester 2022 konzipierten Ringvorlesung „Auswirkungen von Gender und Diversity – Erweiterte Kompetenzen für die Beschäftigungsfähigkeit“ im Fokus stehen. Die Veranstaltung startet mit einem Auftaktworkshop zur Selbstreflexion, der sich auch mit den Themen befasst, wie Gruppenprozesse ablaufen und wie eine zufriedenstellende Zusammenarbeit für alle in „diversen Gruppen“ gelingen kann. Es werden u.a. Vorlesungen zu sozialpsychologischen Grundlagen stattfinden, die Professor*innen der Fakultäten Sozial- und Wirtschaftswissenschaften beisteuern werden.

Den Abschluss der Ringvorlesung des kommenden Sommersemesters bildet am 14. Juli 2022 wieder ein Barcamp.

 

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