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Einfälle statt Abfälle

Fast jeder kennt sie: Bilder von riesigen Plastikstrudeln in den Ozeanen, von Kindern, die in Entwicklungsländern Mülldeponien durchstreifen und dort nach verwertbaren Rohstoffen suchen. Dass die großen Mengen an Abfall, die vor allem von den Industrieländern verursacht werden, mittlerweile zum globalen Problem geworden sind, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt sind jedoch die vielen kleinen Tricks, mit denen jeder Einzelne dazu beitragen kann, den anfallenden Müll zu reduzieren. Ziel der gemeinsamen Abfallvermeidungswoche vom 16. bis 20. April 2018 der htw saar, des AStA der Universität des Saarlandes und des Studentenwerks im Saarland war es daher, ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen und genau diese Tricks zu vermitteln.

Eine der zahlreichen Aktionen rund um die Müllvermeidung war der Workshop „Zu gut für die Tonne!? Wo und wie können wir selbst Müll vermeiden?“ am 19. April 2018 für interessierte Studierende und Beschäftigte der htw saar. Organisiert wurde dieser Workshop, wie auch die gesamte Aktionswoche an der htw saar, von der Nachhaltigkeitsinitiative an der htw saar. Als Referenten waren Melanie Malter-Gnanou und Jean-Philippe Baum vom Netzwerk Entwicklungspolitik Saarland e.V. (NES) zu Gast. Anschaulich führten die beiden den zwölf Teilnehmenden die Auswirkungen von Ressourcenverschwendung vor Augen. Allein in Deutschland fallen jährlich pro Person rund 600 kg Müll an. „Wenn alle Menschen auf der Welt so leben würden wie wir, bräuchten wir drei Planeten“, schilderte Baum das Problem. Für ihn ist wichtig, dass jeder bei sich selbst ansetzt und sich bewusst macht, was er oder sie verändern kann und vor allem will. Die Anwesenden konnten dementsprechend die Schwerpunkte des Workshops selbst festlegen.

Gemeinsam diskutierten sie verschiedene Ideen, wie Abfall vermieden werden kann. Viele begeisterten die ausgestellten Produkte wie plastikfreie Zahnbürsten und wiederverwendbare, umweltfreundliche Alternativen zu Frischhaltefolie und Plastikboxen, die die Referenten im mit einem Lastenfahrrad angelieferten Gepäck hatten. Malter-Gnanou wünscht sich insbesondere mit Blick auf Verpackungen für Lebensmittel ein Umdenken. Aus ihrer Sicht ist in Deutschland die Vorstellung verbreitet, unverpackte Lebensmittel seien unhygienisch. Zugleich werde das Risiko, das von Schadstoffen in und an Plastikverpackungen ausgeht, unterschätzt.

Ein prominentes Beispiel für das Problem des anfallenden Verpackungsmülls ist der Einwegbecher. Er steht als Sinnbild für den unachtsamen Umgang mit Ressourcen und der Umwelt. Deshalb hatte sich die Mensa der htw saar im WiSe 2015/15 auf Vermittlung der Nachhaltigkeitsinitiative einer Verkaufsaktion für Mehrwegbecher angeschlossen, die vom Studentenwerk im Saarland getragen wurde. Die Mehrwegbecher waren bei den Studierenden auf große Resonanz gestoßen. Die Einweg- vollständig durch Mehrwegbecher zu ersetzen wurde auch von den Teilnehmenden des Workshops als wichtige Maßnahme angesehen, um den anfallenden Müll zu reduzieren – vor allem auf die htw saar bezogen. Schließlich war es ein weiteres Ziel des Workshops, Ansätze zu entwickeln, wie man die persönlichen Abfallvermeidungsstrategien auf die Hochschule übertragen kann. Neben dem Verzicht auf Einwegbecher wurden hierbei u.a. der Einsatz von zertifiziertem Recycling-Papier, umweltverträgliches Geschirr bei Veranstaltungen und die Einführung eines effizienten Mülltrennsystems genannt. Gemeinsam beschlossen die Anwesenden, in den kommenden Wochen das Gespräch mit den zuständigen Stellen aufzunehmen, um einige dieser Ideen in die Praxis umzusetzen. Die Referenten zeigten sich erfreut über dieses Engagement. Malter-Gnanou weiß, dass es oft nicht leicht ist, Veränderungen anzustoßen: „Viele Leute fühlen sich in ihrem persönlichen Umfeld alleingelassen.“

Diese Erfahrung hat auch Anna Schiffmann gemacht. Sie studiert Erneuerbare Energien/Energiesystemtechnik an der htw saar, da ihr das Thema Nachhaltigkeit sehr am Herzen liegt. Am Workshop hat sie teilgenommen, um mehr über Abfallvermeidung zu lernen, aber auch um Gelegenheit zum Austausch mit Anderen zu bekommen, „die dasselbe Bedürfnis haben, etwas zu verbessern, zu verändern“. Ihre Hoffnung ist, dass die Verwirklichung ihrer gemeinschaftlichen Ideen an der htw saar gelingt. Spätestens im nächsten Semester wollen sie und die anderen Teilnehmenden des Workshops sich wieder treffen, um Bilanz über das Erreichte zu ziehen. Genau darin bestand laut Organisator Dr. Markus Ehses der Gedanke hinter der Abfallvermeidungswoche: für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und zu zeigen, dass jeder etwas zum Schutz unserer Umwelt beitragen kann.

Als ein erstes Ergebnis der Abfallvermeidungswoche findet man nun auf der Webseite der Aktionswoche einen kleinen (Leitfaden zur Müllvermeidung und -trennung an der htw saar. Die dort zusammengetragenen Informationen sollen zukünftig ausgebaut werden.

Hintergrund: Als zertifizierte Fairtrade University hat die htw saar es sich zur Aufgabe gemacht, Persönlichkeitsbildung und soziale Verantwortung künftiger Entscheidungsträger zu fördern. Mit verschiedenen Aktionen sensibilisiert die Hochschule regelmäßig für das Thema Nachhaltigkeit. Neben sozialen und ökonomischen Aspekten wie fairen Handelsbedingungen stehen ebenso ökologische und letztendlich soziale Gesichtspunkte im Vordergrund.

 

Zur Website der Abfallvermeidungswoche

Zur Website der Nachhaltigkeitsinitiative an der htw saar

 

Im Rahmen der Abfallvermeidungswoche fand für interessierte Studierende und Beschäftigte der htw saar ein Workshop zum Thema „Zu gut für die Tonne!? Wo und wie können wir selbst Müll vermeiden?“ statt.
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