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Nomen est Omen?

Zur 19. Betonkanuregatta hatte das Labor für Werkstoffe im Bauwesen an der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen ein Wettbewerbsboot und ein Boot in der offenen Klasse gemeldet mit je einer Frauen- und Männerbesatzung. War die RMS (Royal Mail Ship) TITANIC im Jahr 1912 das schönste, schnellste und sicherste Passagierschiff ihrer Zeit, so sollte ihr die HTW SAARTANIC in diesen Eigenschaften in nichts nachstehen. Was dem Team gelang; schließlich ist die SAARTANIC nicht abgesoffen, wie fake news kolportieren. Davon später in Wort und Bild. Unser Spaßboot, auf Initiative der Studierenden designed, trägt den Namen SAARFARI.

Nachdem Mitte Januar 2019 das Team aus 6 Studentinnen und 11 Studenten des 4. Semesters initiiert wurde, konnte mit der Planung im realen Raum und der Herstellung der Kanus begonnen werden. In Anbetracht der Größe des Projektes – zwei Kanus von 5 m Länge, vom leeren Anmeldeformular über Ideenfindung, rechnergestütztem Auftriebsnachweis, Materialentwicklung, Einsatz einer Negativschalung, dem Betonierprozess bis zum wettkampfmäßigen Einsatz ! – wurden verschiedene studentische Projektgruppen gebildet:

  • Projektmanagement/Organisation
  • Logistik
  • Schalung
  • Materialentwicklung
  • Design Boot und T-Shirt
  • Produktion
  • Sport
  • Öffentlichkeitsarbeit

Gecoached, motiviert, fachlich und Kopf hinhaltend betreut wurde das Team vom Kapitänleutnant Prof. Dr.-Ing. Dietrich Wullschläger, die Umsetzung der Konzepte in die Anfertigung war Sache des Leitenden Ingenieur Dipl.-Ing. (FH) Martin Engel. Ohne den Teamkapitän und Obermaat Alexander Linz wäre alles aber nichts geworden. Dazu kommt das fantastische Team mit außerordentlichem Einsatz.

Was ist Sinn und Zweck, sich dem Wettbewerb mit über 40 Hochschulen zu stellen? Zunächst gilt es, die htw saar und das Saarland in Deutschland zu (re-)präsentieren. Zum Weiteren wird ein Studienprojekt exerziert mit Teambildung von 17, am Anfang ein wenig schüchternen Studierenden zu einer selbstbewussten Gruppe, die in der Lage war gemeinschaftlich ein Projekt zu realisieren, welches zunächst nur als Gedankenmodell existierte. Und drittens galt es, das in der Baustofftechnologie erlernte theoretische Grundwissen in der praktischen Anwendung umzusetzen. All das hat natürlich viel Zeit- und Arbeitsaufwand bedeutet, mehr als für 2 Seminararbeiten angerechnet werden können. Betroffene KollegInnen bitte ich um Nachsicht, wenn bei den Studierenden Betonkanu manchmal vor Vorlesung ging.

Also: Was war am Projekt innovativ? Zunächst der Einsatz einer Negativschalung. Bei früheren Teilnahmen an Betonkanu-Regatten gab es immer wieder mal einen Studenten, der eine Zimmermannslehre absolviert hatte und eine Schalung zimmern konnte. Ein aufwendiges Geschäft, verbunden oftmals mit Problemen beim Ausschalen. Also entschied sich das Labor zum Kauf eines neuen 2er-Kajaks aus GFK, welches als Schalung verwendet wurde. Ja, die Fakultät besitzt jetzt ein eigenes Paddelboot! Betoniert wurde von außen auf die Bootshaut, so dass die Stromlinienform 1:1 nachgebildet werden konnte. Dies führte zu hervorragenden Gleiteigenschaften der SAARTANIC. Umfangreiche Tests des Betoniervorgangs führten zum optimalen Ergebnis.

Weitere Innovationen betrafen die Zusammensetzung des Zementmörtels (sprich Beton). Ziel war es, dass unser Wettkampfboot nicht mehr als 20 kg je m Länge wiegen sollte. Wie manche Hochschulen 3 kg je m Länge hinbekommen, ist uns schon seit Jahren ein Rätsel. Nur mit Zement geht das jedenfalls nicht. Unsere bereits bewährte Mischung wurde durch einige Spezialzusätze (geheim!) optimiert. 19 kg/m wurden erzielt, allerdings um den Preis, dass das Boot incl. Fahrer zu tief im Wasser lag. Also wurde das Freibord einem Vorschlag der Studierenden folgend nachträglich erhöht und ausgesteift.

Stapellauf war am 13. Juni 2019 in der Saar; alles gut, Boot schwimmt und ist dicht. Allerdings ist die Bootshaut durch massiven Einsatz von Blähglas zur Gewichtsreduzierung etwas spröde geworden. Kommt davon, wenn man nicht (mehr) auf den erfahrenen alten weißen Professor hört. Ist aber alles gut gegangen, Epoxidharz sei Dank.

Die Gestaltung des Wettbewerbskanus wurde der TITANIC nachempfunden. Durchgefärbter Mörtel bis zur Wasserlinie (riesige Sauerei im Labor), schwarz lackiert bis zum Oberdeck, dann weiß. Die Kanuten trugen entsprechend den Schiffsschloten gelbe Wettkampf-T-Shirts und schwarze Zylinder. Um auf 4 Kamine zu kommen wurden an Bug und Heck Styroporschornsteine fixiert. So ein schönes Boot hatten wir noch nie und die Truppe war optimistisch, in der Gestaltungswertung ganz vorne dabei zu sein. Vielleicht lag es an fehlenden Sponsorenaufklebern, dass daraus nichts geworden ist. Hervorzuheben ist, dass unsere Kanus völlig ohne Sponsorenzuwendungen hergestellt worden sind. Nicht ganz. Auf die saarländische Methode wurden wir dankenswerter Weise mit Zement und Zusatzmitteln von der Firma Peter Gross unterstützt.

Jetzt zur Gestaltung von Boot und T-Shirts. Natürlich Frauensache. Die Mädels entwickelten coole Designs für das schwarze Präsentationsshirt und das gelbe Wettkampfshirt. Wahrscheinlich war das Design zu cool, sonst wären wir wohl auch hier in die engere Wahl gekommen.

Nachdem Presse (Saarbrücker Zeitung), Funk (Radio Salue und SR3) und Fernsehen (aktueller Bericht im SR vom 1. Juli 2019) am 25.06.2019 abgefrühstückt waren, konnten die finalen Arbeiten am Wettbewerbskanu und am Spaßboot durchgeführt werden. Am Donnerstag, 27. Juni 2019 wurden Sportboot, Spaßboot (6-Tage-Festigkeit) und Zeltlagerequipment auf LKW verladen und los ging die Reise ins Schwabenländle. Ausladen, aufbauen, schwenken war eins.

Bis zur Abfahrt steht immer die Technik im Fokus. Was haben wir für ein schönes Kanu, welche modernen Zusatzstoffe und Zemente haben wir in 35 Mischungen getestet, bis eine den Ansprüchen genügte. Ist man dann vor Ort, zählt das alles nicht. Die Boote müssen sich der (übermächtigen) Konkurrenz im sportlichen Wettkampf stellen und ihre Tauglichkeit beweisen. Es wird gepaddelt, auf Teufel komm raus; sa(ar)tanisch halt. Um unser Kanu nicht überzustrapazieren, wurde auf ein Training verzichtet (sic!). Unsere Jungs waren auch so gut drauf. Die Mädels natürlich auch.

Der Freitag verging mit Aufbau der Präsentationspavillons, verschiedene Jurys begutachteten unser Equipment, abends dann die große Party mit über 500 Teilnehmern. Gefeiert wurde bis in den frühen Morgen, der Leitende Ingenieur sprach gegenüber den Wettkämpfern ein Alkoholverbot aus. Der Kapitänleutnant war dagegen wegen des ungewohnten Zustands. Wie sagte Max Merkel? Es ist mir egal, ob sie rauchen, Hauptsache, sie gewinnen.

Samstag, 10.05 Uhr Start des letzten Vorlaufs der Männer. Gegner u.a. FH Campus Wien. Unser Boot liegt gut im Wasser, elegant und gleichzeitig sportlich gleitet es durchs Wasser und liegt an der Wende in Führung!

Marc Trenz und Maximilian Groß in action

Zwischendurch haben die Österreicher Schwierigkeiten Kurs zu halten. Nach der Wende halten wir gen Steuerbord, da kommt von links (!) das Boot aus Wien. Ein Manöver des letzten Augenblicks hilft nicht, die anderen rammen uns mittschiffs. Dabei nimmt unser Boot Wasser und sinkt vor entsetztem Publikum über das Heck.

Die SAARTANIC sinkt

Sinkt? Nein, kentert und wird kieloben, schwimmend an Land gebracht, umgedreht und ausgeschöpft.

Kiel oben, aber nicht untergegangen

Die Kanuten Marc Trenz und Maximilian Groß steigen wieder ein und bringen das Boot ins Ziel! Klasse gemacht. Auf einen Protest haben wir verzichtet, wollten das Ganze nicht zu ernst nehmen. Was kann der Ösi schon dafür. Dass allerdings die htw saar disqualifiziert wurde und nicht die sich später entschuldigenden Wiener, ist uns unverständlich. Egal, wir waren für die nächsten Stunden die Hauptattraktion.

Wie sagte Olli Kahn: Mund abputzen, weitermachen. Das Frauenteam übte das Paddeln auf dem Weg zum Start und es zeigte sich wieder, das unser Boot einmal in Fahrt durch nichts aufzuhalten war. Unsere Freunde von der TU Hannover ließen das „My heart will go on“ aus dem Film Titanic über den Neckar dröhnen; vielleicht eine Dröhnung zu viel, denn die Mädels ließen eine Boje aus. Applaus für Anouk Kleinpeter und Jana Weiten, die immerhin den dritten Platz im Vorlauf erkämpften.

Anouk Kleinpeter und Jana Weiten in action

Fehlt noch was? Natürlich die Bootsparade der offenen Klasse. Bei 34 Grad im nichtvorhandenen Schatten fuhr das SAARFARI-Großwildjäger-Kanu samt Beute durch den Regenwald, ein Krokodil im Schlepptau.

Kanu SAARFARI auf dem Weg zur Bootsparade

Das Team brach am späten Nachmittag die Zelte in Heilbronn ab und kehrte wohlbehalten nach Saarbrücken zurück.

Team SAARTANIC

Sandra Altmeyer, Christian Backes, Maximilian Groß, Till Hoffmann, Michelle Huppert, Anouk Kleinpeter, Leon Knop, Alexander Linz, Sven Nauhauser, Christian Rimpel, Chiara Schank, Jan-Niklas Schmitt, Philipp Schönecker, Franziska Schug, Marc-Philipp Trenz, Nils Warken, Jana Weiten, Jens Degen, Martin Engel, Dietrich Wullschläger

Fazit: KaLeu und LI sind unheimlich stolz auf das Team SAARTANIC der htw saar. Im nimmermüden Einsatz wurde ein wettbewerbsfähiges Kanu auf die Beine gestellt. Für das Design hätten wir schon einen Preis verdient gehabt. Oder für die Show Titanic/Saartanic. Die nächste Regatta findet 2021 statt. Die htw saar wird wieder dabei sein. Allerdings geht der Lotse Ende September von Bord. Ich bin zuversichtlich, dass mein Nachfolger zusammen mit Martin Engel wieder ein schlagkräftiges Team builden kann.

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