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htw saar-Promovend erlangt Doktortitel mit Auszeichnung

Als Fachhochschule hat die htw saar zwar kein Promotionsrecht, aber auch hier kann man seinen Doktor machen – und zwar in einer Kooperativen Promotion. Falls Sie sich für dieses Thema interessieren, finden Sie hier weitere Informationen.

Zurzeit sind 43 Promovierende an der htw saar registriert (Stand: Mai 2021). Einer von ihnen hat dieses Jahr mit Summa cum laude, der höchsten Auszeichnung, abgeschlossen: Dr.-Ing. Daniel Lehser-Pfeffermann.

Von seinem Forschungsthema, und wie solch eine kooperative Promotion abläuft, erzählt uns Lehser-Pfeffermann selbst im folgenden Interview.

V.L.n.R.: Prof. Dr.-Ing. Frank Rückert, Dr.-Ing. Daniel Lehser-Pfeffermann.

 

– Was haben Sie vor der Promotion studiert?

Lehser-Pfeffermann: Nach meinem Abitur 2007 konnte ich in einem kooperativen Studium mit der EnBW Energie Baden-Württemberg AG meine akademische Karriere starten. Zunächst erfolgte im Rahmen des Programms eine Ausbildung zum Mechatroniker. Nach erfolgreichem Abschluss der Lehre ging es weiter mit einem Bachelor-Studium im Bereich Mechatronik und Mikrosystemtechnik. Durch den engen Industriekontakt während des gesamten Studiums ergaben sich viele Möglichkeiten die nukleare, konventionelle und letztendlich auch die regenerative Energieversorgung kennen zu lernen. Meine Abschlussarbeit im Offshore-Windbereich in Hamburg bzw. im Offshore-Windpark Baltic I hinterließen einen bleibenden Eindruck, weshalb ich mich nach Abschluss meines Bachelorstudiums 2013 intensiver mit der Windenergietechnik beschäftigen wollten. Mein Master-Studium absolvierte ich anschließend an der htw saar und war von Beginn an als wissenschaftliche Hilfskraft bei Prof. Dr.-Ing. Tobias Müller im Windlabor tätig und unterstütze bei dem Aufbau des kurz zuvor neu gegründeten Labors. 2014 konnte ich hier erfolgreich mein Masterstudium im Bereich Mechatronik und Sensortechnik abschließen.

 

– Wie kamen Sie darauf, zu promovieren?

Lehser-Pfeffermann: Während meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigte ich mich sehr stark mit der Finite-Elemente-Methode sowie der Mehrkörpersimulation. In der Zusammenarbeit mit Prof. Müller ergab sich eine für mich sehr interessante Problemstellung hinsichtlich der Lagerlebensdauerabschätzung von Windenergieanlagen. Da Prof. Müller die Untersuchung und den Aufwand einer Promotion angemessen fand, nahmen wir Kontakt zur TU Kaiserslautern auf. Nach Annahme als Doktorand an der TU-Kaiserslautern begann eine erste Promotionsarbeit die ich allerdings 2016/17 aufgrund von internen Strukturänderungen (Weggang von Prof. Müller) leider abbrechen musste.

Während der Einarbeitung des nachfolgenden Laborleiters, Prof. Dr.-Ing. Frank Rückert, ergab sich eine neue Möglichkeit zur Promotion. Ich stellte ihm ein Thema vor, das neben dem ursprünglich geplanten Promotionsprojekt bearbeitet wurde, und er willigte ein. Da man in einer kooperativen Promotion eine Doktormutter bzw. einen Doktorvater an einer Universität benötigt, war ich sehr froh, dass wir Prof. Dr.-Ing. Franz Joos von der Helmut-Schmidt-Universität für mein Thema gewinnen konnten.

 

– Wie lautete Ihr Promotionsthema?

Lehser-Pfeffermann: In meiner abgeschlossenen Dissertation mit dem Titel „Untersuchung des Strömungsverlaufes einer Rotorkonzeptstudie für vertikale Kleinwindkraftanlagen“ beschäftige ich mich mit der Strömungsmechanik rund um vertikale Kleinwindkraftrotoren. Ziel ist es dabei, die Effizienz und den Ertrag einer vertikalen Kleinwindkraftanlage zu verbessern, indem das aerodynamische Verhalten optimiert wird. Dabei berücksichtige ich den späteren Standort und nutze additive Fertigungstechniken, um mein virtuelles und optimiertes Simulationsmodell in die Realität zu übertragen.

 

– Können Sie die Ergebnisse Ihrer Doktorarbeit kurz zusammenfassen?

Lehser-Pfeffermann: Sind die Windverhältnisse an einem geplanten Standort – speziell im Stadtrandbereich – bekannt, kann anhand des definierten Entwicklungsprozesses ein Windturbinenrotor ausgelegt und entwickelt werden. Mit dem Einsatz verschiedener geprüfter Ansätze ist es möglich, die Effizienz und den Ertrag zu steigern. Damit erhält man einen auf die Randbedingungen angepasste und wirtschaftliche Anlage, die mit den aufgezeigten Fertigungsverfahren auch ab Stückzahl eins realisiert werden kann.

 

– Wie gestaltet sich solch eine kooperative Promotion?

Lehser-Pfeffermann: Zunächst verbrachte ich viel Zeit am Computer, um die Simulationsmodelle zu erstellen und entsprechend meiner Ideen zu optimieren. Bei der Herstellung der einzelnen Prototypen half mir meine Ausbildung und das Mechatronik-Studium sehr weiter. Auch bei den Fragen „Wie kann dieser Prototypen vermessen werden?“ und „Wie muss der passende Prüfstand dafür aussehen?“ konnte ich auf diese Erfahrungen bauen. Während dieser Zeit arbeitete ich in einer Vollzeitstelle im Labor. Dort standen mir Prof. Rückert und Prof. Joos stets mit ihrem Fachwissen zur Verfügung.

 

– Gab es besondere Hürden, die Sie meistern mussten?

Lehser-Pfeffermann: Da gab es einige. Zu Beginn musste eine Professorin bzw. ein Professor gefunden werden, welche(r) mich auf Universitätsseite betreuen würde. Als Fachhochschul-Absolvent war es auch nicht ganz einfach, an der entsprechenden Universität als Doktorand aufgenommen zu werden. Die Finanzierung des Projektes sowie der Veröffentlichungen waren weitere Hürden, die in den letzten Jahren genommen werden mussten – und neben der Promotion hatte ich ja auch noch eine Vollzeitstelle inklusive zusätzlicher Lehre. Auch wenn in den letzten anderthalb Jahren SARS-CoV-2 (Covid19) starke Einschränkungen mit sich brachte, konnte ich letztendlich in diesem Frühjahr als Doktorand am Lehrstuhl für Strömungsmaschinen in der Energietechnik an der HSU-HH die erste vollständig digitale Promotionsprüfung absolvieren.

 

– Wie ist Ihre Promotionsprüfung verlaufen?

Lehser-Pfeffermann: Trotz vieler Hindernisse und Herausforderungen konnte ich am 10.3.21 meine Promotion erfolgreich nach rund vier Jahren mit der Promotionsprüfung abschließen. Nach einem 30-minütigen hochschulöffentlichen Vortrag zu meiner Arbeit folgte eine intensive, einstündige und nichtöffentliche Diskussionsrunde zur Arbeit sowie angrenzenden Themengebieten.

 

– Würden Sie den Studierenden der htw saar eine kooperative Promotion weiterempfehlen?

Lehser-Pfeffermann: Trotz der Hürden und Hindernisse, die generell bei Promotionen auftreten können, ist es auch an der htw saar möglich, seinen akademischen Bildungsweg fortzusetzen und wissenschaftlich anerkannt zu arbeiten. Sehr gute Absolventinnen und Absolventen, die sich für solch eine wissenschaftliche Karriere interessieren, kann ich den Austausch mit dem Promovierenden-Netzwerk empfehlen. Dort gibt es Informationen aus erster Hand, viele hilfreiche Tipps und Unterstützung. Sind die ersten Meilensteine geschafft, kann die eigentliche Arbeit mit der Projekt- und Stellenfinanzierung starten.

 

– Was planen Sie für die Zukunft?

Lehser-Pfeffermann: Seit November 2020 bin ich bei der VENSYS Energy AG im Bereich Berechnung/Simulation tätig und übertrage meine gewonnenen Erkenntnisse auf Großwindanlagen im Bereich der Reglerentwicklung. Dabei stehe ich weiterhin im engen Kontakt und Austausch mit der htw saar.

 

Vielen Dank für das Interview, wir wünschen Ihnen viel Erfolg für die Zukunft!

 

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